Von Mennoniten, Indianern und einer schwierigen Entscheidung

Mennoniten sind zumeist fromme Menschen. Nicht alle fahren im Pferdewagen durch die Gegend. Und wir hatten die Freude zweimal Mennoniten kennenzulernen, die aufgeschlossen, fröhlich und sehr interessiert waren. Sie schämten sich für ihr Deutsch – hätten es aber gar nicht gemusst (wir hätten sie mal nach Berlin einladen sollen…). Es gibt in Kanada eine ganze Menge Mennoniten. Man hat sie im Lauf der Jahrhunderte ziemlich durch die Welt getrieben. Ihren Ursprung haben sie mal in Friesland gehabt – unglaublich! Besonders gut fand ich ihre Bemühungen, die Bibel ins Niederdeutsche zu übersetzen. Kauf ich! Über unsere Begegnungen kann man zusammenfassend vielleicht sagen: Wenn einem ein Mennonit sagt, man sei eine Inspiration für ihn gewesen, dann war die Begegnung vermutlich keine Schlechte.

Irgendwie haben uns die Begegnungen auch Kraft gegeben. Entgegen unserer sonstigen Gewohnheit entschieden wir uns, die Strecke vom Riding Mountain National Park (Kanada) bis zum Glacier National Park (USA) – immerhin eine Entfernung von knapp 1400km – an zwei Tagen zurückzulegen. Man muss aber auch sagen: Dazwischen ist sowohl auf der kanadischen als auch auf der US-amerikanischen Seiten nichts als flaches Land. Hätte den Mennoniten bestimmt gut gefallen. Hat ja wieder sowas von Friesland. Wir hingegen machten Bekanntschaft mit einer anderen Minderheitengruppe: Indianer! Helden meiner Kindheit! Unterdrückte der Einwanderer aus Europa! Fighting terrorism since 1492! Wir mussten durch verschiedene Reservate fahren, in denen diese ehemals stolzen Krieger heute leben und das Sagen haben. Und ich möchte meine, die Erfahrungen, die wir gemacht haben, waren nicht so schön, wie wir gehofft hatten – man möchte so gern empathisch bleiben! Von Alkohol und Drogen hat man ja gehört. Und irgendwie kann man die Frustration verstehen. Die Unfreundlichkeit gegenüber uns fanden wir aber trotzdem nicht sehr lustig. Ein kleiner Gesprächsfetzen gefällig? Nach Hinweis eines Campingplatzmitarbeiters machten wir uns auf zu einem Laden Namens Nevin’s Tires, um hier mal wieder unser Öl zu wechseln. Wir parkten an der Seite des Ladens am Rand einer Auffahrt. Kurz darauf, die Helme kaum abgesetzt: „Fahrt die Räder da weg.“ Okayyy. „Wir würden gerne einen Ölwechsel machen.“ „Ich fasse keine Motorräder an.“ „Würden wir ja selber machen, wenn wir eine Wanne für das Öl bekommen könnten.“ „Ich verleihe keine Werkzeuge.“ „Wieso sind Sie denn so unfreundlich.“ „Ich muss jetzt nicht mehr mit Euch sprechen.“ Gespräche sind auf unserer Reise auch schon mal besser gelaufen… Schwamm drüber. Den Ölwechsel haben wir kurzerhand verschoben – gab nämlich außerdem kein richtiges Öl. Werden ihn in Kanada nachholen. Da müssen wir ohnehin neue Ketten besorgen. Eine letzte Investition. In unsere alten Rösser, auf dass sie uns sicher durch die Rockys, nach Alaska und zurück nach Vancouver tragen mögen!

Sonstiges:
1. Plötzlich  einsetzender Wind kann einen auf einer nassen Baustellenschotterstraße schon mal vom Weg der Tugend abkommen lassen.
2. Amis und Kanadier mögen sich nur bedingt. Was sie aber defintiv teilen ist eine Obsession: das Rasenmähen!
3. McDonald’s ist super oder wenigsten niciht so schlecht wie alle sagen: Cola mit Refill für einen Dollar, freies W-Lan und krankenhausnahe Unterkünfte für Familienangehörige von kranken Kindern bauen sie auch – kein schlechtes Gewissen mehr!

Wir haben eine Entscheidung getroffen. Roman wird bestätigen, dass das nicht immer leicht ist bei uns. Aber wir haben es vollbracht, obwohl es eine besonders schwere war! So’n Ding, bei dem der Verstand was anderes sagt als der Bauch. Hier ist sie: Wir bringen die Mopeds nicht wieder mit nach Deutschland. Bitte kein Wehklagen. Macht einfach keinen Sinn. Verschiffung ist zu teuer für die „Klapperkisten“. Können wir uns zuhause besser was neues Gebrauchtes kaufen. Was stattdessen mit den Schatzis passiert, wissen wir noch nicht. Klären wir gerade ab. Vielleicht doch meine Lieblingsidee: Mit vollem Gepäck zum Flughafen, abladen, Schlüssel stecken lassen und Zettel: first come, first take, please write me a mail!

Auf dem Programm steht jetzt erst einmal wieder Natur: Glacier National Park und Rocky Mountains (in Kanada). Und dann ab Richtung Alaska. Wir freuen uns drauf, zumal wir keine Orte mehr suchen müssen, die Fußball zeigen. „Dieser Weg wird kein leichter sein…“ In diesem Sinne soweit für heute.

Patrick

PS: Noch immer keinen Bären gesehen. Aber einen Elch – immerhin!


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Comments

  • Jannina K sagt:

    Ich finds immer superdrollig, wenn deutsche Touristen in Amerika auf Mennos stoßen. Als wäre es etwas ungewöhnliches „aufgeschlossen, fröhlich und sehr interessiert“ zu sein 😉 Übrings stammen nicht alle Mennoniten aus Friesland. Die meisten Mennoniten haben heute wohl afrikanische Wirzeln. Ich selber stamme aus dem tiefsten Niedersachsen ^^

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