Gastbericht Nr. 2 von der Bergziege ‘Frieda”

Motorradbikeboots in Guatemala verschwunden !
Über Nacht lasse ich manchmal meine übel riechenden Bikeboots draußen vor dem Zimmer zum Lüften stehen. Am Abreisemorgen fehlten diese auf einmal. Ich suchte das Umfeld ab, aber nichts. Machte den Rezeptionist wach und erzählte ihm das Geschehene. Dieser machte sich auch auf die Suche, fand aber nichts.
Roman kam aus dem Zimmer und half mir ebenfalls bei der Suche der Motorradschuhe, er fand diese dann eine Etage höher gelegen, Gottseidank.
Ich hatte schon meine Motorradstiefel herausgeholt aber bei 40 plus Graden wäre es unangenehm gewesen diese zu tragen.
Vermutlich hat die kleine 5-jährige Tochter des Hostalbesitzers meine Motorradschuhe versteckt, weil diese abends zuvor an unserer Zimmertüre etwas in spanisch gesagt hatte was niemand von uns verstand.
Ein Schreck am Morgen

Gestern und heute sind mal wieder völlig andere eigenartige Sachen passiert!

Wie etwa beim Ticketziehen für die Straßenmaut in Mexiko, manchmal muss man bar zahlen und manchmal gibt es ein Ticket aus dem Automaten. Dieses Ticket wurde bei mir vorgestern, als ich als erster durch fuhr nicht ausgedruckt. Selbst der Angestellte von der Mautstelle wusste sich nicht zu helfen.
Gestern fuhr ich als letzter durch und wieder gab es kein Ticket für mich. Die drei Transen hatten null Probleme damit.
Trotz rückwärts Schiebens und wieder durch die Lichtschranke vorwärts hindurch, kam immer noch kein Ticket heraus. Dann gab man mir einen winzigen Zettel mit dem Aufdruck Tula 1. Tula hieß der Ort an dem die Mautstelle lag.

In Guanajuato angelangt, einer alten historischen Silber- und Goldstadt in den zentralmexikanischen Bergen auf etwa 2000m Höhe gelegen, waren wir auf der Suche nach einer akzeptablen Unterkunft für zwei Näechte.
Parkraum ist hier knapp bemessen. Ich stellte “Frieda” links an die Straßenseite, etwas abseits von den Transen, weil dort schon mehrere PKW standen. Nach etwa 15 Minuten, sah ich aus 20-30m Entfernung, wie sich jemand am Heck von “Frieda” zu schaffen machte, ich dachte gleich an meine hintere Videokamera! Ich sagte Jana bescheid und rannte schnell zur Bergziege. Dort war eine Person damit beschäftigt, mein Kennzeichen abzuschrauben. Die Person war weiblich und hatte mein Kennzeichen gerade in der Hand, ich riss es ihr aus der Hand und dann wurde ich bedrängt. Gab aber mein Kennzeichen nicht her.
Es war eine zweite, männliche Person dabei, beide anscheinend von der örtlichen Verkehrspolizei, die mich bedrängten. Ich schob die Frau beseite und sprach sehr lautstark böse Schimpfwörter aus, wohlwissend, dass niemand von beiden diese verstand.
Die einheimischen Pkw, die ebenfalls dort im Halteverbot standen, interessierten niemanden von den beiden. Typischer Tourinepp dachte ich mir. Dann setzte ich mich auf “Frieda”, fuhr neben Janas Transe und stellte die Bergziege dort ab.
Roman und Patrick waren mit ihren Transen unterwegs auf Unterkunftssuche. Ein Schreck am späten Nachmittag, machte mir die Stadt gleich unsympahtisch, aber ein abendlicher Spazier- und Fotoshootinggang wiederlegte meine Antipathie für Guanajuato. Es ist eigentlich eine meganette Stadt mit ihren befahrbaren Tunneln, Plazas und Kirchen, Kneipen und Kaffeehaeuser etc.
Vorläufig fahre ich ohne Kennzeichen umher, denn die unfreundliche Verkehrspolizistin gab mir meine beiden Edelstahlkennzeichenschrauben nicht wieder zurück. Das schraube ich erst kurz vor den USA wieder dran.

Nun zu Mittelamerika und Mexico mit meiner Bergziege und drei Transen.
Seid nunmehr 8 Wochen (18.2.12) und knapp 10.000 Kilometern ist “Frieda”, meine Bergziege, mit den drei Transen durch Mittelamerika und nun Mexico unterwegs. Wir haben uns reichlich angesehen an Kultur- und historischem Gut in Zentralamerika sowie in Mexico.
In Zentralamerika war durch die kleineren Länder oftmals nur ein kurzer Aufenthalt und Durchfahren angesagt, trotzdem legten wir viele Sightseeing Stopps ein. Die Aussage, dass es dort gefährlich sein soll, kann ich nicht akzeptieren. Ich habe mich immer sicher gefühlt. In der Gruppe fühlt man sich eh sicherer. Sicherlich gibt es böse Menschen überall auf der Erde, aber wenn man ein wenig bedacht und vorsichtig ist und dementsprechend auftritt und gewahrsam walten lässt, geht es gut.
Manch ein Grenzdurchlauf war ein wenig lästig, weil viele Nepper und Schlepper auf einen zukommen und den Papierkrams gegen Bezahlung erledigen wollen, oder der ein und andere Zollbeamte ein wenig langsam arbeitet, etc. Aber in allem verlief alles besser als im Vorfeld erwartet.
Einige Länder verlangen höhere Einreisegebühren fürs Bike und Mexiko hat seit September 2011 eine baujahrabhängige Zwangskaution von 400-Usd ab Baujahr 2002 verlangt, die mit der Kreditkarte gezahlt werden konnte. Man bekommt diese Summe wieder, wenn das Fahrzeug das Land verlässt hieß es. Diese wird anscheinend nur an gewissen Stellen ausgezahlt, oft liegen diese nicht an der Grenzstation.
Wir werden sehen, Ende April wollen wir die Grenze zu den USA durchfahren.

Die Menschen in Zentralamerika waren nett und freundlich sowie hilfsbereit, machmal war man dermassen desinteressiert, selbst im Lebensmittelladen irgend etwas zu verkaufen. Ich habe es schon als störend empfunden, dort überhaupt hineingegangen zu sein, das relaxte Belize war da ein gutes Beispiel für.

Mir persoenlich ist Zentralamerika zu teuer gewesen. Gut dass die Länder verhältnissmäßig klein sind und man sich dort eh nicht allzulange als Reisender aufhält. Guatemala ist mein Favorit, ich mag die Menschen, Landschaft, schöne Strecken und günstig dazu war es auch.

Am 21.3.12 hat ”Frieda” in Guatemala ihre 100.000km voll gemacht, dazu habe ich mich von den Transen abgeseilt um bei einem legendären Tachostand von 99.999,9 Kilometer ein Foto zu machen. Das war ein erhabener Wauh Effekt. Wer jemals mit seinem Hobel diesen Tachometerstand erreicht hat, weiß, was ich meine.

Wettermäßig ging es uns  meistens gut, beim Fahren kann man die Hitze besser ertragen als beim Schlafen in Räumen mit oder ohne Ventilator und Temperaturen von 32 Grad. Stickige Luft weil sich die Gebäude dermassen tagsüber aufheizen, dass es sich nicht innen drin abkühlt. Kleine oder keine Fenster tragen  nicht unbedingt dazu bei. Oder wenn man eine Klimaanlage oder Ventilator hat, gegen Aufpreis versteht sich, und dann der Strom ausbleibt wird man wach vor Hitze und kann auch nicht mehr einschlafen. Es ärgert einen, wegen des Klimaanlagenaufpreises. Geld gibt es selbstverständlich nicht zurück. Den Preis bezahlt man immer im Vorfeld, weil man anscheinend niemandem traut, bzw. schlechte Erfahrungen damit gemacht hat.

Mich hat es mit einer Bronchitis wegen Fahrens im Regen und Unterkühlung niedergemacht, Halsweh, Stirnhöhlenvereiterung und Bronchistis, waren die letzten 2 Wochen die Folge vom Fahren am Morgen mit ungeeigneter Kleidung zu den Mayatempeln in Jucatan, Mexico. Roman geht es momentan auch nicht so gut, ihn hat es kürzlich auch erwischt.

Die Fahrerei im Team klappt ganz gut, verloren gegangen ist bisher niemand, obwohl sich manchmal eine grosse Lücke mit anderen Verkehrsteilnehmern zwischen uns ergibt. Der Vorausfahrende, muss dann hin und wieder rechts ran und warten bis allemann aufschließen. Ueberwiegend ist es Patrick, weil er durch sein GPS genau Bescheid weiß, wo es speziell in und durch den Städten entlang geht. Jana und Roman wechseln sich dann ab und ich bilde meistens das Schlusslicht. Mit meinen freien GPS Karten kann ich schon sehen wo es lang geht und folgen wenn es doch mal zu einem Auseinanderreissen der Vierertruppe kommt. Immerhin fahre ich fast sieben Jahre ueberwiegend alleine um die Welt und erfreue mich immer wenn ich andere Biker vor mir sehe.

Mexiko ist ein Riesenland, immerhin sind wir hier schon fast 5000 Kilometer unterwegs und es nimmt kein Ende. Die Esskultur hier ist nicht mein Ding, ich werde oft nicht satt von den mexikanischen traditionellen Gerichten, die man hier bekommt. Es sind kleine Häppchen für mich. Wenn ich dann ohne Frühstück starte, wird es schwer, über den Tag zu kommen, oftmals, wenn wir lange Fahrtage vor uns haben.

Alle Moppeds laufen gut, wir befinden uns seid Jucatan nun auf Höhenlagen von etwa 2000m, wo die Temperaturen akzeptabel sind. Nachts wird es auch schon kühler, sodass man eine Decke braucht.

Irgendwie freue ich mich schon auf die USA, denn dort wartet schon eine Unfall KLR 650 mit 13 Meilen auf dem Tacho auf mich. Diese hat Gary, ein befreundeter Biker vom HU Meeting in Viedma, Argentinien 2010 für mich schon vorab gekauft. Denn “Frieda” ist mit ihren ueber 100.000 km, motormäßig am Ende. Die Kettenräder der Ausgleichswelle sind alle verschlissen etc. und in diesen Motor mit dieser Laufleistung noch etwa 2000,- Usd reinzustecken, lohnt sich nicht mehr. Der Motor bekommt mal einen Vitrinenplatz in meiner Butze.
In Alabama, wo Gary wohnt, wird alles umgebaut und ausgetauscht, dann geht es frohen Mutes weiter gen Alaska, aber dazu später mehr.
Vorerst geht es mit den drei Transen weiter durch Mexico.

Bleibt alle gesund und freut euch auf die bevorstehende Saison in Deutschland,

www.Fred Klein.de, alias Fredo Frog.


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„,Grupos‘ kannste eh vergessen“

Wir könnten diesen Artikel weglassen. Er geht euch ohnehin nichts an. Er behandelt Dinge, die ihr zu ihren Zeiten größtenteils auch nur aus der Ferne zu sehen bekommen hättet. Oder seid ihr königlich, wenn nicht gar göttlich? Natürlich seid ihr das, ihr seid unsere Leser. Also schreiben wir auch. Und zwar über die Ruinenstätte der Maya, die wir in letzter Zeit verschiedentlich besuchen durften.
Wir erwarteten also in Tazumal (El Salvador), Copán (Honduras), Tikal (Guatemala), Tulum, Chichén Itzá, Uxmal, Edzná und Palenque (alle Mexiko) strahlende Gebäude, riesige Pyramiden größten Glanzes, prunkvolle Altare, beeindruckende Throne, Schmuck, Edelsteine, Kunst, während uns auf der anderen Seite Massen von klatschenden Touristen (ja, gibt n Echo, wenn man klatscht – Wahnsinn!) und Heerscharen von fliegenden Händlern erwarteten-jedenfalls an einigen Orten… und was fanden wir? Das:


Steinhaufen sagt ihr? Stimmt! Kann’s aber ja wohl nicht sein. Guck mal auf dem Plan, ob wir richtig sind. Der Weg stimmte, aber er war weit… Steinhügel, das lernten wir, waren oft alles, was die Wissenschaftler fanden, als sie die Stätte entdeckten. Lag halt alles schon eine Weile im Dschungel, der fröhlich Bäume drauf pflanzte. Man begann, die Steine wegzuräumen – einzeln – und fand zusammenhängende Mauerreste. Dann wurden die Gebäude rekonstruieren so gut man konnte, bis man bemerkte, dass den Steinen der fehlende Schutz durch die Bäume gar nicht gut tat. Also hörte man auf, alles zu rekonstruieren und beschränkte sich auf die beeindruckendsten Gebäude. Meistens sind das Pyramiden wie diese:

Dann gibt’s natürlich noch Paläste und Tempel und manchmal auch beides zusammen und Wohnräume der Herrschaften und – ganz wichtig – immer einen Ballspielplatz! Man muss die Maya also mögen, auch wenn man wenig über sie weiß. Immerhin spielen sie Ball. Allerdings weiß man über dieses Ballspiel wiederum genug um sagen zu können, dass sie auch etwas komisch sind. Ich meine, hallo? Wer spielt denn bitte ein Spiel, beim dem man den Ball nicht mit der Hand und – viel schlimmer – auch nicht mit dem Fuß spielen darf? Und wer lässt sich darauf ein „da raus“ zu gehen, wenn er weiß, dass geopfert wird, wenn er gewinnt? Kann ja sein, dass das das Kräfte-Gleichgewicht zwischen Himmel und Erde wieder herstellt. Aber wer ist so doof und bringt dann seine beste Leistung. Naja, verstehe wer will… Im Übrigen scheint mir das eh viel zu schwierig, den kleinen Gummiball durch diese kleinen Ringe zu kriegen, die – vor allem in Chichén Itzá – auch noch verdammt hoch hängen können. (Hinweis: Im Internet gibt es natürlich Videos, auf denen man sehen kann, wie das Spiel gespielt worden sein könnte. Befederte Menschen werfen sich auf den Boden und schwingen dabei ihre Hintern. Sehr eigenwillig das!)

Weil wir wenig Lust verspüren bei gefühlten 73° Celsius in Museen zu gehen, mussten wir uns schnell von der Sehnsucht nach Thronen und anderen Wertsachen verabschieden. Das Zeug hat man lieber schnell weggeschafft. Entschädigung ist aber gegeben. Was die Maya und dann der Urwald an Reliefs hinterlassen haben, ist erstaunlich. Die benutzten um 1000 n.Chr. bereits ein Schriftsystem mit mehreren hundert Zeichen, die sie zudem beliebig kombinierten. Kann ja von euch mal einer hochrechnen, wie viele Möglichkeiten das ergibt. Und die Zeichen sind irgendwie auch noch echt hübsch. Dazu kommen Stelen, auf denen sie vor allem ihre verstorbenen Herrscher verewigten in einem Detailreichtum und einer Plastizität, die einem die Spucke raubt. Klingt pathetisch? Stimmt. Macht aber nüscht. Man könnte Stunden vor so einem Kunstwerk verbringen und würde immer noch etwas Neues entdecken. Selten – wie bei den Gebäuden auch – finden man noch Reste von Farbe. Aber Freunde von Schwarz und Weiß waren die Maya sicher nicht. Blutrot war vorherrschend, auch mal Gelb oder Blau.

Nach durchschnittlich acht Kilometern per Pedes, von denen mindestens sechs Treppenstufen waren, schlagen wir langsam den Weg zum Ausgang ein. „Halt, da geht’s noch zu den Grupos E und F!“ „,Grupos‘ kannste eh vergessen! Ich geh jetzt!“

Und die Moral von der Geschicht‘? Wenn du auf deinem Moped durch die Gegend fährst, einen größeren Hügel siehst und plötzlich denkst, du hast eine Mayaruine entdeckt, geh zum Arzt!

Bleibt sauber und auf bald,
Patrick


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Abtauchen in Belize

Tikal bildete einen würdigen Abschluß für Guatemala. Wobei jemand einwarf, dass es eigentlich GUATEMAYA heißen müsste. Wie schon in Copan bewunderten wir auch in Tikal die Meisterhaftigkeit, mit der die Jungs damals die Bauwerke erschufen. Neben Größe wurde auch auf Detailreichtum wert gelegt. Es gab Brot und Spiele für die Herrschenden. Und der beste Spieler wurde für die höhere Sache geopfert. Die anderen Spieler hatten ihre Chance auf einen direkten Aufstieg in die 7 Himmel verwirkt.

Von soviel Heroismus fasziniert, verließen wir ein Land, in dem uns nicht nur die Menschen mit ihrer Lebensart gefallen haben, sondern noch einige Maya-Plätze unentdeckt blieben. Es ging auf nach Belize.

Belize ist das erste und einzige Land auf dem gesamten amerikanischen Kontinent in dem Englisch Amtssprache ist (ausgenommen USA und Kanada). Das ist schon ein wenig verwirrend, nachdem wir uns gerade in die zahlreichen Dialekte der spanischen Sprache eingefuchst haben. In seinen Ausmaßen eher bescheiden, entschieden sich Jana, Patrick und Fred für die Fahrt nach Hopkins, einem alten Bekannten aus Deutschland einen Besuch abstatten.

Ich entschied mich für den Pfad des Touristen und wollte auf eine der zahlreichen vorgelagerten Inseln in der Karibik – Fische unter Wasser angucken. Belize City ist die Hauptstadt und mit 70’000 Einwohnern wohl die kleinste Hauptstadt auf dem gesamten Kontinent.  

Das Motorrad ließ ich dort stehen und entschied mich für Caye Caulker, eine erschlossene Insel ca. 1h vom Festland entfernt. Mit dem Wassertaxi und kleinem Handgepäck setzte ich am nächsten Morgen über. Selbst hier im Norden ließ sich die Karibik nicht lumpen und empfing mich mit weißen Sandstrand, glasklarem türkisfarbenen Wasser. Die ersten Fische konnte ich schon vom Steg auch sehen. Dem Festland vorgelagert befindet sich ein ganzes Archipel von kleineren und größeren Inseln, die alle mehr oder weniger gut erschlossen sind. Auf Caulker gibt es ein Dorf, das wohl zu 100% vom Tourismus lebt. Neben Schnorcheln wird Tauchen angeboten, die Insel kann mit dem Rad oder zu Fuß erkundet werden. Es gibt so gut wie keine Autos, das einzig motorisierte Fortbewegungsmittel sind Golf Carts mit Elektromotoren. Selbst die Inselpolizei fährt eines 🙂

Die Leute sind überwiegend touristisch motiviert, grüßen einen ständig mit: „What’s up buddy?“ und erwarten tatsächlich auch eine Antwort darauf. Zurückhaltende Schweigsamkeit wird als unhöflich interpretiert und so darf bereits früh am Morgen oder auch mitten in der Nacht Konversation pflegen. Da kam es gerade recht, nach 5Jahren wieder mal abzutauchen und dem Rummel damit aus dem Weg  zu gehen. Belize bietet mit dem Great Blue Hole einen auf der Welt einmaligen Tauchspot – ein 124m tiefes Loch. Dies ist durch eine eingestürzte Höhle entstanden und liegt nun unter Wasser. Auf ca. 40m Tiefe ragen Stalagtiten von der alten Höhlendecken.

Der erste Tauchtag führt zunächst, als Aufwärmung quasi, zum Hausriff. Mit 2 Tauchgängen eine halbtages Angelegenheit, die am Nachmittag Zeit zum Verschnaufen bot.

 Der 1. Tauchgang verlief dann auch wieder erwartend problemlos. Gleich beim Abtauchen, fielen wir quasi auf einige Riffhaie, eine uralte Schildkröte sagte guten Morgen und vor einer grünen Moräne ließen wir uns nieder, um uns eine ihrer Lebensgeschichten anzuhören. Sie lächelte uns zu, schnappte unentwegt nach Luft und wies uns den Weg durchs Riff. Der Tag hätte wunderschön werden können, wäre da nicht dieser Schiffshalter gewesen. Er beschl0ß an diesem Tag mein aller bester Freund zu werden und trieb mich damit fast in den Wahnsinn. Remora sind eigentlich niedliche Tierchen, die normalerweise unter Haien hängen. Dieser war ein wenig verspielt und fand mich besonders interessant. Er kam mir ungewöhnlich nahe, umkreiste mich mehrmals und war wie ein lästiges Insekt – einfach nic7ht loszuwerden. Als er dann versuchte, an meinem Zeigefinger anzudocken, verlor ich endgültig die Geduld und brach den Tauchgang ab. Alle weiteren Tauchgänge verliefen normal.

Am zweiten Tauchgang ging es dann in aller Herrgottsfrühe los. Um 6Uhr stachen wir in See. 2h Fahrt waren es bis zum Blauen Loch, da suchte sich jeder ein ruhiges Plätzchen zum Dösen. Die Sonne ging auf, als wir losfuhren und stand schon hoch am Himmel als wir ankamen. Dennoch ist das Wasser dort blau, während es ringsherum türkisch erscheint. Unten angekommen, steht man quasi vor Jahrtausende alten Gesteinsformationen. Fische gibt es dort kaum, Licht gerade noch genug und die Wassertemperatur sinkt merklich ab. Man durchschwimmt eine Gruppe von Gesteinszapfen und kann jeden von allen Seiten betrachten. Der Trip war in dieser Tiefe nur von kurzer Dauer (ca. 5min), bevor es  schon wieder in den Aufstieg ging. Riffhaie begleiteten uns auch hier.

Ansonsten ist die Unterwasserwelt gekennzeichnet von viel buntem Fisch, mehr als ich ihn aus Ägypten in Erinnerung habe. Dies Riffe sind lebendig und jede Menge Schwarmfisch siedelt dort. Das Wasser ist klar und bietet gute Sicht. Dieses schützenswerte Refugium steht bereits unter Unesco-Schutz. Bleibt zu hoffen, dass es noch eine ganze Ewigkeit erhalten bleibt.

Ro


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Wasn Tag!

Dieser Bericht ist allen Motoradfahrern gewidmet, die genau solche Tage erleben und trotzdem schon ihre nächste(n) Reise(tage) planen.

Also, der Plan war einfach. 370 km bis kurz vor Tikal, um am nächsten Tag an den großen Maya-Feierlichkeiten teilzunehmen. Die Finnen sind zwei Tage vor uns die Strecke gefahren und hatten uns den Weg beschrieben: zuerst 40 km gute Schotterpiste, ab dann ist alles asphaltiert, Flussüberquerung mit der Fähre in Sayaxché, danach nur geradeaus – dauert, ist aber gut machbar.

Wir entschieden uns, früh loszufahren. Also pünktlich um 7 Uhr aus dem Bett, Sachen zusammengepackt, 8 Uhr abfahrbereit, vorher noch schnell Frühstück. O.k., das dauerte gleich mal bis kurz vor neun, denn zu einem anständigen Frühstück in Guatemala gehört ein Stück Fleisch und das muss ordentlich zubereitet werden. Also dann eben um 9 Uhr los. Wir hatten noch 10 km Piste mehr vor uns, denn wir hatten Lanquin und Semuc Champey besucht, was abseits der Hauptstrecke liegt.

Dieser Umweg war schnell und gut gefahren. Puh! Aber was war das. Kaum sind wir auf der gut zu befahrenden Piste, da ist bereits eine Baustelle (lateinamerikanischer Art versteht sich!) und Fred liegt auch schon mit seiner Maschine im tiefen Schotter. Super! Unser erfahrenster Mitfahrer, er sollte später am Tag noch die 100.000 km umrunden, wird ausgeknockt. Nun, der Rest der Bande entscheidet sich dafür, dass der Weg erst einmal mit der Walze platt gemacht werden soll. Dauert drei Minuten und ermöglicht uns eine gute Passage der Baustelle.

Also weiter. In irgendein Städtchen rein, da die erste Abzweigung rechts. Geht nicht, da ist Markt, die zweite Einfahrt ist mit Autos blockiert. Sieht aus wie ein Streik. Aber überall steht „Bam Bam Bam“, alles komisch. Der freundliche Polizist meint, da hinten lang. Also wir durch den Markt, alles sehr eng, man muss sehr konzentriert fahren, damit man niemanden umfährt. Und da sehen wir auch den Grund für die Sperrung: ein Marathon. Durch die Tropenhitze! Sind die noch ganz sauber? Und warum rennen die Läufer uns immer auf der Spur entgegen, auf die wir gerade gewechselt sind? Mittlerweile bin ich doch recht angespannt. Die Läufer kommen aus ihrem Rhythmus und ich habe keinen mehr. Also entscheide ich mich, den Läufern zuzujubeln (zumindest so wie das mit einer Hand geht). Und es klappt, die Läufer kommen an mir vorbei gerannt, um mir „High Five“ zu geben und ich bin wieder besserer Stimmung. Ein Militärwagen kennzeichnet das Ende des Laufs. Also weiter. Aber wir schaffen nur 20 km. Da ist schon wieder eine Baustelle. Diesmal Vollsperrung. Um 11 Uhr geht’s weiter? Nein, um 12 Uhr… Also anderthalb Stunden Pause.

Die gehen recht schnell vorbei. Und schon müssen wir uns beeilen, loszufahren, denn auch in Zentralamerika bedeutet es nichts, vorne in der Reihe zu stehen. Mit Sicherheit wird man noch vor Öffnung der Absperrung von Pickups oder LKWs überholt. Fette Steine liegen am Rand und plötzlich schau ich in den Rückspiegel, da liegt Patrick mit seiner Maschine am Boden. Irgendwie blieb die linke Box an einem Stein hängen, riss die Maschine in die andere Richtung und blieb am Scheitelpunkt des Abgrundes liegen. Das war knapp. Die Insassen des folgenden Busses waren schnell zur Stelle und konnten Patricks Maschine retten. Zum Glück gab es keinen Personenschaden. Die Box musste provisorisch repariert werden und schon konnte es weitergehen. 13 Uhr! Wenn wir jetzt endlich Asphalt erreichen, kommen wir zwar knapp, aber noch rechtzeitig an unserem Zielort an. Langsam kreisten meine Gedanken um „Hermano Pedro“.

Und da war er endlich. Der ersehnte Asphalt. 50 km in nur 4,5 Stunden (inkl. Baustellenpause), das ist nicht schlecht… Also jetzt die Kurven gut ausgefahren, rechts auf eine weitere Asphaltstrecke und nur noch Kilometer herunterreißen. Aber unsere Fahrlaune wurde getrübt. Wieder eine Baustelle. Schotter, Sand und anderes Gestein. 

O.k. die Finnen hatten angemerkt, dass es „roadwork“ gibt, also alles im grünen Bereich. Aber wer war denn da schon wieder umgekippt und lag am Boden. Roman diesmal. Hatten wir ihn nicht beim „Crashkurs Gravelroad-Fahren in Südamerika“ instruiert: Kein Spurwechsel im Schotter!!! Scheinbar nicht. Aber zum Glück blieb auch diesmal alles heile. Also weiter. 10 km, 20 km, 30 km – wann ist denn endlich diese besch… Baustelle zu Ende. Also rechts rangefahren und gefragt. „Entschuldigung, wo geht’s nach Sayaxché?“ Antwort: „Sayaxché, das liegt 80 km in der Richtung aus der ihr kommt.“ Nein, das muss ein Sprachproblem sein, das Navi hat gesagt, rechts fahren und dann machen wir das auch… Dem ist bloß leider scheinbar viel zu warm geworden und hat im Hitzeschock einfach eine andere Route berechnet. Wir waren auf dem Weg zur Grenze nach Belize. An sich nicht falsch, bloß drei Tage zu früh. Also mussten wir in den sauren Apfel beißen und weitere 30 km Piste, mit zeitweise recht großen Schlaglöchern, fahren. Aber nun, halb vier nachmittags, noch 180 km zu fahren, da war sie, die Straße, die uns ein weiteres Mal direkt ans Ziel bringen sollte. Schnell getankt und etwas getrunken. Und das stille Örtchen aufgesucht. Und ab die Post. Wenn wir jetzt durchschnittlich 80 km/h fahren, kommen wir noch vor der Dunkelheit an. Das ist oberstes Gebot wenn man in Zentral- und Südamerika unterwegs ist. Mein Gedanke: Hermano Pedro!

Die Hälfte der Kilometeranzahl lag schnell hinter uns. Bloß was war das dort vorne am Horizont? Jana zu Patrick: „Ist das Regen?“ Antwort Patrick: „Das ist ein Gewitter!“ WAS? Hier ist Trockenzeit, Regenzeit fängt doch erst im Mai an!! Nein, das durfte nicht wahr sein. Wir fuhren einfach weiter, vielleicht hatten wir ja Glück und der Kelch ging an uns vorbei. Und da war er auch schon der erste Regentropfen. Wir fuhren gegen die Zeit, gegen den Regen, der jetzt stärker wurde und gegen den Wind, den man nicht mehr weg reden konnte. Und da war er, der Wolkenbruch. Also Stelle suchen, um sich etwas regenresistenter anzukleiden. Klitschnass waren wir schon. Jetzt die Entscheidung, es war schon dämmerig und wegen des Regens eh dunkler. Unterkunft suchen oder weiter. Die Uhr zeigte irgendetwas zwischen fünf und sechs. Wir hielten uns an das Prinzip, schlimmer geht nimmer. Meine Hoffnung war Hermano Pedro.

Aber, man glaubt es kaum, es wurde schlimmer. Ich meine, es war ein tropischer Sturm, zumindest sah es danach aus, wenn man die umgeknickten Bäume auf der Straße liegen sah. Ich bekam es ein bisschen mit der Angst zu tun, als ich mir die Strommasten und die hin und her schwankenden Bäume betrachtete. Aber auch das hatte ein Ende, denn ich sah nun trotz deutlich reduzierter Geschwindigkeit gar nichts mehr. Fred und ich fuhren an den Straßenrand, die beiden anderen waren uns bei unserem Schneckentempo davongefahren. Nur wenige Minuten später kam Hermano Pedro, nein ich meine, Patrick und verkündete die Botschaft: „Einen Kilometer weiter ist es trocken!“ Na dann mal los. Und wir fuhren und fuhren und fuhren, was das Zeug hält. Im Hellen haben wir El Remate nicht mehr erreicht. Aber das war uns egal. Wir haben es immerhin erreicht. Und die Zimmer im Hostal „Hermano Pedro“, die wir zum ersten Mal auf dieser Reise (nein, das ist kein Urlaub!!) vorgebucht hatten – wegen des Maya-Festes versteht sich –, waren noch frei! Überglücklich angekommen zu sein, wurde uns folgende Nachricht übermittelt: Aktuell ist Stromausfall, wahrscheinlich noch für weitere 2-3 Stunden, ach ja und fließend Wasser gibt es auch nicht. Egal, wir waren angekommen, nur das zählte! Dass das Maya-Fest schon an diesem, jenem Tag stattfand und nicht erst einen Tag später, war auch zur belanglosen Nebensache degradiert. Hungrig waren wir, zum Essen blieb an diesem Tag keine Zeit. Im Restaurant waren sich dann alle einig: Was für ein Tag!

Jana und Supertranse, die an diesem Tag Kopf und Spiegel oben behielten 😉


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Markttag in Antigua


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Motorradmagazin

Pünktlich zu Romans Geburtstag vor knapp einer Woche haben wir es in ein finnisches Motorradmagazin geschafft. Einfach auf den Link klicken, auf das Cover des Magazins 2/2012 gehen und die Seite 4 aufschlagen Moto 1. Heikki und Ulla, die beiden Finnen, mit denen wir häufiger zusammen unterwegs sind, haben einen Artikel über ihre Fahrt in Südamerika veröffentlicht und uns damit groß herausgebracht. Aber nur in Finnland… Mittlerweile haben wir Honduras (2 Stunden) und El Salvador (4 Tage) hinter uns gelassen und haben es sicher nach Guatemala geschafft. Zwischen drei Vulkanen, wovon der eine heute eine große Aschewolke ausgestoßen hat, liegt Antigua auf 1500 m. Bei angenehmen Temperaturen schlendert man gerne durch die schöne Altstadt und hofft, dass es beim Qualmen bleibt…


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Nica libre!

So jetzt sind wir in Nicaragua. Und ich, ich bin auf der Suche nach Brillengeschäften… Aufgewachsen in der Konrad-Wolf-Str. (Konrad Wolf = DDR-Regisseur) und zur Schule gegangen zwischen Sandinostr. (Sandino = nicaraguanischer Guerillaführer) und Simon-Bolivar-Str. (Simon Bolivar = den kennt jeder) liegt mir an unserem sozialistischen Bruderstaat seit meiner Schulzeit viel. Auch, da an die Wand des Speiseraums meiner Schule (der danach auch unser Mittagsschlafraum wurde) ein übergroßes Bild einer nicaraguanischen Landschaft mit Kindern, Bauern und natürlich Frauen gemalt war. Meine Schwester ging zur gleichen Schule und musste als Pionier Brillen für Nicaragua und seinen Präsidenten Ortega sammeln, obwohl sie gar keine trug. Meine Mutter hat sogar drei Brillen an das Spendenkomitee – wahrscheinlich ihrer Poliklinik – gegeben. Und nun habe ich einen Auftrag… Wieviele Brillen braucht Nicaragua wirklich???

Nicaragua ist arm. Das sieht man auf den ersten Blick. Auf den Straßen fahren Ochsenkarren und Pferdewagen, Industrie gibt es keine und wie meistens bei den ärmeren Länder spielt sich fast alles auf der Straße ab. Obwohl bei einer Arbeitslosigkeit von 70-80% Nicaragua zu den ärmsten Ländern Zentralamerikas zählt, wirken die Menschen sehr nett und hilfsbereit, wenn auch ein wenig zurückhaltend. Aber wenn sie in ihren Schaukelstühlen auf den Gehwegen schaukeln, bekommt man stets einen freundlichen Gruß und ein Lächeln. Dabei brachte die nicaraguanische Revolution ab 1979 neben sozialistischen Maximen wie Senkung des Analphabetismuses und Entwicklung des Gesundheitssystems und der Frauenrechte auch viel Leid mit sich. Der Befreiungskampf gegen die diktatorische Familie Somoza kostete zwischen 30.00 und 50.000 Menschen das Leben. Zu kommunistisch war die Entwicklung Nicaraguas. Ronald Reagan „veranlasste die Verminung des einzigen nicaraguanischen Pazifikhafens Corinto und die finanzielle und militärische Unterstützung der Contras, paramilitärische Gruppen… Das Geld zur Unterstützung stammte aus geheimen Waffenverkäufen der USA an den Iran … Die Contras versuchten, die Infrastruktur zu zerstören, unternahmen terroristische Überfälle auf die Landbevölkerung, legten Minen, verbrannten die Ernte, stahlen Vieh, um die Situation im Lande zu destabilisieren und die Bevölkerung zu verunsichern“ (Wikipedia).
Hier noch ein interessanter Aspekt, den ich zitieren möchte: „Die USA wurden für militärische und paramilitärische Aktionen in und gegen Nicaragua vom Internationalen Gerichtshof in Den Haag zu einer Zahlung von 2,4 Milliarden US-Dollar verurteilt, erklärten aber den Gerichtshof für unbefugt, über die USA zu urteilen, obwohl sie selbst Richter an den Gerichtshof entsendeten“ (nochmal Wikipedia, zitiert von der „Jungen Welt“). Auch in West-Berlin gab es Symphatie für die Sandinisten, noch heute exsistiert eine Städtepartnerschaft www.staepa-berlin.de Nach 1990 wand sich Nicaragua dem Kapitalismus zu, mit Privatisierung der Wirtschaft und des Gesundheitssystems, Schließung von sozialen Einrichtungen wie Kindergärten und Erhebung von Schulgeld. Folglich gab es von den USA Lob für diese „Entwicklung“. Mittlerweile ist Ortega seit 2007 wieder Präsident, die USA haben immer noch nicht gezahlt, aber es gibt wieder kostenlose Bildung und Gesundheitsversorgung (haben Traveller aus Berlin berichtet) und kostenloses Mittagessen für die Schulkinder (laut Wikipedia). Ach ja und den Frauentag gibt es hier auch, jährlich…, auch heute!
Und nun sitze ich hier mit meinem „Nica libre“ (Rum blanco, Agua Soda y lemón) und proste Nicaragua zu. Auf dass die USA ihr Interesse an Dir endgültig verlieren und deine Menschen weiterhin so freundlich bleiben. Und das ihr genug Brillengeschäfte habt… (mit Inhalt, versteht sich). Salud!
Miss San Blas

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