Bye, Bye, My Love!

Ja, so ist es, wenn es am schönsten ist, sollte man sich trennen. Es bleiben wunderbare Erinnerungen an gemeinsame Zeiten. Die helfen über den ersten Schmerz hinweg. Und später, wenn man mit genügend Abstand seiner verflossenen Liebe etwas anhängen will, bleiben nur die guten Zeiten übrig, die man nicht missen möchte.

Keine Angst, Supertranse und ich, wir sind immer noch ein eingespieltes Team. Und Patrick gibt es auch noch. Aber fast wäre es soweit gewesen und er hätte wahr gemacht, worüber er seit Südamerika in jeder erdenklichen Sekunde und jedem sich bietenden Augenblick sprach: „In Nordamerika schließe ich mich einer Bärenfamilie an!“ Da war sie, die Grizzlyfamilie, die auf ihn wartete und schon mal Fische für ihn fing. Vier Geschwister wollten ihn als Bruder adoptieren und die Grizzlymutter winkte ihm zu (andere missverstanden diese Geste als Versuch, einen Lachs zu erhaschen, aber ich war dabei und habe es genau beobachtet…), Patrick hielt Augenkontakt und drehte sich in letzter Minute um und meinte bloß: „Die haben weder Internet noch Bundesliga, das ist kein Leben für mich!“ Also auch Patrick sitzt weiterhin mit im Boot.

Wir mussten uns von Alaska trennen!!! Es war eine wunderbare Zeit, obwohl es in den letzten Tagen mehr als genügend Wolken mit und ohne Regen gab. Mit Hyder haben wir jetzt den 49. Bundesstaat der USA endgültig verlassen. Nur 2000 Kilometer waren wir in Deadhorse vom Nordpol entfernt. Und von Deadhorse nach Hyder sind es gerade mal 2800 schlappe Kilometer. Die kürzeste Strecke versteht sich. Alaska ist riesig und das nicht nur flächenmäßig.

Uns haben das Wilde und die Wildtiere sehr begeistert. Elche im See fressend und badend, Bären den Hang herunterrutschend und kurz vor der Straße abstoppend uns überrascht anschauend, Weißkopfseeadler nur 20m von uns entfernt im Nest hockend und ein Humpbackwal der einen riesigen Sprung vorführt. Einfach toll. Richtige Tierkenner oder sogar Ornithologen sind wir nicht geworden. Ein Beispiel? Gerne! Einer von uns beiden: „Da ist ein Bär…, ach nee, ist ein Pferd!“ Auflösung: Es war ein Elch!!! Wir wollen hier niemanden bloß stellen, deswegen bleibt Gesagtes fast anonym.

Aber auch die Menschen in Alaska sind etwas wilder und rauer (alte Rechtschreibung: rauher). So sieht man das mit dem Vorfahrtnehmen nicht ganz so eng. Ist auch nicht so schlimm, denn man ist meistens eh alleine auf der Straße. Und angeblich gibt es weniger Regeln und Gesetzte als in den „Lower 48“, also dem Rest der USA. Wir haben davon auch Gebrauch gemacht und sind in Mc Carthy gleich mal über die Fußgängerbrücke gefahren. Hat keinen interessiert und in Kennicott (da wollten wir hin) wurden wir begeistert empfangen. Sie wünschten sich mehr von uns, meinten sie. Dort in der Wildnis, von uns Einöde, von den Leuten vor Ort „Busch“ genannt, waren wir einem riesigen Gletscher ganz nah und konnten von der Geschichte der alten Kupfermiene mitgerissen werden. Eine technische Meisterleistung für die damalige Zeit. Verdient haben natürlich ausschließlich die Eigentümer an der Ostküste. Und mit dem Geld wurde dann zweckmäßig in Kupfermienen in Chile investiert.

Zwei kritische Aspekte von Alaska dürfen aber nicht unerwähnt bleiben. 1. Sarah Palin ist hier immer noch ein Star, war sie doch drei Jahre Gouverneurin von Alaska. Und 2. Die ewigen Zugeständnisse ans Militär, überall präsent und überall Rabatte für aktive und berentete Militärs!

Obwohl es ein paar kleine Schwierigkeiten bei der Einreise nach Alaska gab, konnten wir es ohne Größere wieder verlassen. Nur an der kanadischen Grenze (die insgesamt vierte Einreise nach Kanada wohlgemerkt) mussten wir unser Pfefferspray, das wir als Bärenspray deklarierten, abgeben, weil auf dem Spray kein Bär abgebildet war. Als ob das einen Bären interessieren würde!!! Na gut, dann also ohne Bärenschutz weiter. Dafür durften wir in Hyder bei herrlichstem Sonnenschein den Salmon Gletscher bewundern. Hier eine 360°-Ansicht. Wir werden Alaska vermissen, aber auch den Yukon. Die langen Fahrten durch die Wildnis werden in Erinnerung bleiben und sicher bald den Wunsch wecken, wieder mitten in und mit der Natur zu leben. Wir waren mit Sicherheit nicht zum letzten Mal hier.

Und denkt dran: Wenn neben der Garage ein Auto und ein Kleinflugzeug stehen, wenn man die Angel nur in den Fluss zu halten braucht und schon beißt ein Fisch an, wenn ein Bär einfach über die Straße trottet, wenn nach einem die Straße benannt wird, nur weil man hier als Erster gelebt hat und wenn die Sonne entweder immer oder gar nicht scheint, dann befindet man sich in Alaska!!! Übrigens gibt es von Frankfurt nach Anchorage Direktflüge mit Condor. Und da kann man super das Fahrrad mitnehmen, wenn man will…

Auf Alaska! Und auf die See!
Jana


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Gewinnspiel #2 – Auflösung

Guten Abend allererseits!

Gestern war Einsendeschluss für die zweite Auflage unseres Gewinnspiels. Zeit also, es heute aufzulösen.

Vielleicht fangen wir mal mit der richtigen Lösung an:

Ad 1.
Es handelt sich weder um einen Präriehund (Schwarzschwanz oder was auch immer), noch um einen Hasen und auch nicht um ein Känguru.
Die richtige Antwort, die tatsächlich niemand gegeben hat, war:
ERDHÖRNCHEN (engl. Groundsquirrel).
Da hier niemand die richtige Antwort gegeben hat, entfällt die Wertung dieser Frage – tsetsetse…

Ad 2.
Sehr gut gefallen haben uns die Antworten “Patrick, morgens, nach dem aufwachen, wenn ihm Jana einen frischen Kaffee ans Bett gebracht hat” und “Mallorcapauschaltourist beim Rückenschwimmen im Pool”. Richtig hingegen war natürlich:
SEEOTTER.
Und bitte, SEEotter nicht FISCHotter oder Seehund und Robbe…

Ad 3.
Da wir hier die “äußerst seltene Bärenunterart “Patrickus-Kasiursus” bei der Brunft” nicht zu gesicht bekommen haben, kann sie auch nicht die Lösung sein. Wer allerdings
BÄR, GRIZZLY oder SCHWARZBÄR
geschrieben hat, lag natürlich richtig.

Unter den ungefähr 3006 Einsendung konnten sich am Ende natürlich nur zwei durchsetzen, deren Voraussetzungen optimal waren und deren Sterne besonders gut standen. Gewinner des f60punkt2.de-Gewinnspiels #2 sind (Trommelwirbel und all dieser Quatsch, damits wichtig aussieht):
Peer C. (Vegetarier, Tierfreund und Biofatzke)
Christoph W. (Berliner)

Herzlichen Glückwunsch und ein donnernder Applaus den Sieger!!! Was ihr außer Ruhm und Ehre gewonnen habt, wissen wir natürlich selbst noch nicht. werdet ihr dann aber sehen, wenn wir wieder in Deutschland sind – is ja nich mehr sooo lange hin.

Dann feiert mal schön! Bis die Tage,

Paddy (im Namen der gesamte 40-köpfigen Gewinnspieljury!)


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Alaskablumengeburtstagsgrüße

Hoch soll sie leben, hoch soll sie leben, sechsundsechzigmal hoch…
Wir wünschen Dir einen wunderschönen Geburtstag und drücken die Daumen fürs Wetter und wünschen auch noch eine tolle Feier! So viele Wünsche, da muss doch was in Erfüllung gehen. Wir sind in Gedanken bei Dir und in einem Monat hinten auf der Sitzbank in deinem Auto! Bis dahin kannst du Dich der Blumen erfreuen.
Alles Gute und Herzlichen Glückwunsch!

 


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Gewinnspiel die Zweite

Es wird höchste Zeit, euch als treuen Lesern, mal wieder die Chance auf eine Belohnung zu geben. Also macht mit bei unserem zweiten Gewinnspiel! Hier ist das Video mit der Aufgabe (wir haben mal wieder weder Kosten noch Mühen gescheut):

Die Lösung sendet ihr bitte an info@f60punkt2.de mit Betreff “tierisch” oder so und bis zum 20. August 2012. Kinder, Rentner und andere Randgruppen werden bei gleichguter Lösung nicht bevorzugt: Wir werden losen.

 


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Fische fangen und Fische fangen

Es gibt unterschiedliche Arten, Fische zu fangen: Grundangeln, Posenangeln, Spinangeln, Fliegenfischen… Und die meisten Menschen verbinden mit Angeln vor allem eines: Langeweile. Langes Warten darauf, dass irgendwann einmal ein Fisch anbeißt. Und dann braucht man auch noch Glück, um den beißenden Fisch tatsächlich aus dem Wasser zu ziehen. Angeln hat andererseits auch was mit Ruhe zu tun, mit Geduld, mit dem Kampf Mensch gegen Fisch (fast) auf Augenhöhe, mitunter sogar mit Eleganz. Ein Bild: ein Mann, Ü50, mit Sonnenhut und Mückennetz über dem Kopf, bis zur Hüfte im Wasser eines Gebirgsbachs stehend, allein. Ausladend schwingt er seine Angelrute immer wieder über dem Kopf, um dem Imitat einer Fliege am Ende seiner Schnur natürliche Bewegungen zu verleihen und die Forellen oder Lachse im Wasser an der Nase herumzuführen. Am Ende geht er nach Hause – vielleicht ohne Fisch, sicher aber zufrieden mit sich und dem Tag.

Menschen, die mich kennen, wissen, dass ich das Angeln liebe. Sie wissen außerdem, dass ich meistens nichts fange. Macht aber nüscht. Geht’s ja nicht drum.

Nun, wir sind in Amerika. Wir sind in Alaska. Wir sind im Eldorado des Angels. Lachs, auf dem Weg in die Laichgebiete, ist hier ab Mitte Juli in den Flüssen zu fangen. Heilbutt ist aus dem Golf von Alaska zu ziehen und Kabeljau. Einsame Menschen mit Sonnenhut? Okay, es ist an der Zeit Bilder zu zerstören. Hope, Alaska, ein kleiner Ort, der seine Existenz dem Goldrausch verdankt. In einem kleinen Flüsschen, kurz vor seiner Mündung ins Meer reihen sich Männer, Frauen und Kinder aneinander, in einem unausgesprochenen Kampf um die erfolgreichsten Plätze. Die Ruten schnell noch als Komplettsets für $26,99 bei Wallmart gekauft. Die Lachse beißen im Minutentakt. Und wenn sich die Schnur nicht gerade wieder mit der des Nachbarn vertüdelt hat, zieht sie der Angler an Land – natürlich ohne Kescher. Was aber passiert, wenn man so viel Fisch an Land zieht? Entweder, man hat eine sehr große Kühltruhe oder man schmeißt eben fast alle Fische wieder ins Wasser. Es geht ja nicht um den Fisch, sondern um den Spaß / Sport und das als Familienerlebnis. Mit Eleganz hat das wenig zu tun.

Da wollte ich mich nicht in die Reihe stellen. Obwohl ich ja gerne mal einen Lachs gefangen hätte. Also entschied ich mich für den Weg aufs Meer. Ohne Angeln aus Alaska abzureisen geht nämlich gar nicht. Für teuer Geld heuerte ich auf einem Kutter an und wir fuhren früh morgens raus, um Heilbutt zu fangen. Meine Vorstellung: Vielleicht fange ich ja einen und wir können den gleich essen. Damals im Schwedenurlaub hatte das ja nicht besonders gut geklappt mit der Versorgung durch selbst gefangenen Fisch… nach einer Stunde in ruhigem Wasser stoppte die Maschine. Ich und meine 12 Mitstreiter bekamen jeder eine Angel in die Hand gedrückt und einen Köder montiert – bloß nicht die Finger schmutzig machen. „Einfach runterlassen.“ Okay?! Bei ca. 100 Metern erreicht das Kilo Blei den Boden und ich wollte mich eben aufs Warten einstellen, da zuppelte es auch schon. Anschlagen und kurbeln und kurbeln und kurbeln. „Color!“ Hatte ich bei den Nachbarn gelernt. Das ruft man, sobald der Fisch an der Oberfläche zu sehen ist. Dann sprintet ein Helfer herbei, greift die Leine und zieht den Fisch – natürlich ohne Kescher – ins Boot. Eine meiner Fragen wurde dann schnell beantwortet: Wenn ich nur zwei Heilbutte mit nach Hause nehmen darf, um die Bestände zu schützen, und wenn ich gleichzeitig so schnell fange, wieso buche ich dann einen 8-Stunden-Tripp? Der Fisch ging gleich wieder über Board, ohne dass ich überhaupt Gelegenheit gehabt hätte, Einspruch zu erheben. Ich lernte: Heilbutt wird erst ab 6 Kilo Gewicht interessanter. Das Prozedere wiederholte sich erschreckend häufig. Wieder an Land hatte ich neben einem 14 und einem 16 Pfund Heilbutt vor allem kein Gefühl mehr in den Armen, Handgelenken und Händen. War eine Erfahrung. War auch Spaß. Mach ich aber glaube ich nicht wieder. Habe mich nur gefragt, wie die Leute einen Heilbutt von über 200 Pfund an Land ziehen? Die gibt’s da unten. Allerdings nicht mehr so häufig wie früher… Ich habe einen Fisch behalten und einen verschenkt. (Hallo? Heilbuttfilet für $16 das Pfund?) Wir haben in unserer kleinen Pfanne zwei Stunden gebraucht, bis alle Stücke gebraten waren. Der andere Fisch ist, wie fast alle anderen, die gefangen wurden, in Trockeneis gefroren in ein Flugzeug verladen und in die Lower 48 (das ist der Rest der USA außer Hawaii) verfrachtet worden.

Und dann hatten wir doch noch dieses romantische Fischerlebnis: eine Grizzlymutter mit ihren vier Jungen kam aus einem Waldstück an einen dieser Zuflüsse, den die Lachse hinauf wandern. Und sie fingen Fische. Zum Fressen. Genau so viele, wie sie brauchten. Dann waren sie wieder verschwunden.

Na denn, guten Hunger,

Patrick


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Full-Day Halibut Fishing

dscn7558Patrick geht Hochseeangeln. Fängt 2 Fische. Ist stolz wie Bolle. Verschenkt einen Fisch und klagt über Schmerzen im linken Arm (auf Nachfrage, wo es denn am meisten schmerzt: “Überall”!) Und was hat man dann am Ende davon? Nen riesigen filetierten Heibutt (16 Pfund) und 2 Stunden Fischbraten. Und wahrscheinlich die nächsten drei Tage das gleiche Abendbrot. Super!!!

l


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Das f60-Team hakt nach

Diesmal zu Gast: Roman Wolf, begeisterter Vorfahrer im Dreiergespann. Seit knapp 8 Monaten unterwegs, davon 3 Monate allein in den USA.

F60: Hallo Herr Wolf, schön dass  sie den Weg in unsere Räume hier im 80.Stock in New York City gefunden haben.

Wolf: Vielen Dank für die Einladung.

F60: Da habe ich gleich mal eine Frage: Ist das nicht warm in diesen Klamotten?

Wolf: Nächste Frage.

F60: Gut. Sie waren ja die letzten 3 Wochen etwas von der Bildfläche verschwunden. Niemand wußte etwas genaues. Können sie uns und unseren Lesern verraten, wo es sie hin verschlagen hatte?

Wolf: Selbstverständlich. Gabi war ja nach New York gekommen, um mit mir gemeinsam 2 Wochen motorradfahrend zu verbringen. Da sie selbst begeisterte Fahrerin ist, hat sie sich ein Maschine gemietet und so wir sind gen Norden gefahren, um der Hitze hier unten zu entfliehen.

F60: Wo haben sie halt gemacht auf dieser 2wöchigen Tour?

Wolf: Die Rute führte uns hinein in den Bundesstaat New York, hinauf nach Kanada, um den Ontariosee herum und wieder südwärts durch New Hamshire, Vermont und zurück nach New York City. Höhepunkte auf dieser Tour waren unter anderem Lake Placid (einigen noch von den dort stattgefunden Olympischen Spielen bekannt), Niagarafälle, Ottawa und Montreal. Ach ja und natürlich die Ben&Jerrys Factory Tour.

F60: Wow, das klingt nach einer relativ langen Strecke in nur 2 Wochen. Viel gesehen oder viel gefahren?

Wolf: Beides. Wir haben uns für eine elegante Lösung entschieden. Kurze Tagesetappen (200-250km) und dafür genügend Zeit, um während der Fahrt öfter anhalten zu können oder beim Erreichen des Etappenziel noch den Ort zu erkunden.

F60: Was gab es landschaftlich auf dieser Strecke für Reize?

Wolf: Nun, wir waren im größten zusammenhängenden Waldgebiet der USA, den Andirondacks. Dann natürlich die Niagarafälle, wo die Kanadier zum 4.Juli ein pompöseres Feuerwerk aufboten als die amerikanischen Nachbarn. Außerdem sind wir durch das Thousand Islands Gebiet zwischen Toronto und Ottawa gefahren. Wasser und Inseln soweit das Auge reicht. Wir haben außerdem mit unseren Rädern den Mount Washington erklommen, den höchsten Berg im Osten der USA. Alles in allem also eine sehr sehenswerte Runde.

F60: Wo hat es sie in der verbleibenden Woche hin verschlagen?

Wolf: Nach dem ich Gabi verabschiedet habe, schwang ich mich wieder aufs Rad und düste Richtung Süden. Ziel war Atlanta, wo Freunde wohnen, die ich unbedingt noch besuchen wollte. Wie sich herausstellte eine gute Entscheidung.

F60: Wieso das?

Wolf: Nun, zunächst macht in Washington D.C. halt, was noch als offener Punkt auf meiner Liste stand. Wollte ich doch unbedingt das Weiße Haus einmal von nahem und mit meinen eigenen Augen sehen. Das obligatorische Beweisfoto befindet sich nun in meinem Besitz.

F60: Aber in D.C. ist es doch noch wärmer als hier bei uns in New York?

Wolf: Das ist richtig, deshalb fuhr ich von D.C. bis nach Atlanta auch nicht durchs Tal, sondern suchte mir einen Weg entlang der Appalachenberge. Bereits zuvor mehrfach empfohlen fuhr ich den gesamten Blue Ridge Parkway entlang. Dies ist eine über 750km lange Hochstraße, die sich zwischen 750 bis 1000m Höhe an den Bergen entlang zieht. Wunderschön und mit sovielen Kurven, dass man sich als Motorradfahrer nur solche Straßen wünscht. Als Belohnung wartete am Ende des Parkway der Tail of the Dragon. Eine 11Meilen lange Straße durch die Berge mit sagenhaften 318 Kurven. Weil es sich schön war, bin ich die Strecke gleich noch einmal gefahren.

F60: Nun ist ihre Reise fast vorrüber. Freuen sie sich schon auf die Heimreise?

Wolf: Auf jeden Fall. Familie und Freunde will ich wiedersehen, mich mit Berlin und dem Rhythmus der Stadt wieder vertraut machen.

F60: Worauf freuen sie sich am meisten?

Wolf: Auf ne schöne Fleischsalatstulle.

F60: Was werden sie von der Reise vermissen?

Wolf: Es gab jede Menge schöner Momente, einzigartige Stätten haben wir gesehen und jede Menge Leute getroffen und kennengelernt. Diese Momente werde ich missen, aber zunächst muss sich das Erlebte erstmal setzen.

F60: Welcher Ort/Land hat sie auf der Reise am meisten inspiriert?

Wolf: Da gab es mehrere. Faszinierend für mich war z.B. unser Ausflug in Kolumbien zu den Grabstätten bei Tierradentro und San Agustin. Beeindruckt haben mich auch die Nazca-Linien. Und natürlich die vielen antiken Maya-Städte in Mexiko, Guatemala und Honduras. Das waren einmalige Erlebnisse.

F60: Wie sind sie mit ihrem Motorrad klar gekommen?

Wolf: Überraschenderweise sehr gut. Lila, so habe ich meinen Schatz getauft, hat sich wacker geschlagen. Nur einmal hat sie mich im Stich gelassen. Da gabs diesen wirklichen satten Regen in den Bergen von Ecuador. Da ging ihr die Puste aus und die Batterie lief leer, nachdem der Starter voll Wasser gelaufen war. Die komplette Geschichte findet sich ja im Blog. Aber bis auf diesen Vorfall gab es keinerlei ernsthafte Probleme.

F60: Inwieweit hat diese Reise sie fahrtechnisch weitergebracht?

Wolf: Wenn ich mir vor Augen halte, dass ich erst vor 2 Jahren meinen Führerschein gemacht habe, staune ich selbst über das, was ich geleistet habe. Allein hätte ich mir diese Reise jedoch nicht zugetraut. Dadurch, dass wir zu dritt gereist sind, viel mir vieles leichter. Auch hatte ich keinerlei Erfahrung in der Reparatur meines Fahrzeugs. Durch Patrick habe ich viel gelernt und konnte zunehmend mehr Wartungsarbeiten allein durchführen. Fehler unterliefen mir dennoch, wie der verpatzte Kettenwechsel, der mich ein Zahnrad und zittrige Tage auf der Straße gekostet hat. Als Topfahrer würde ich mich dennoch nicht bezeichnen. Was ich aber herausgefunden habe, ist, dass mir das Fahren abseits des Asphalts Spaß macht.

F60: Was bedeutet das?

Wolf: Ich brauch ne Offroad-Karre und dann geht’s ab in Wald 🙂 Zumindest werde ich, sofern es meine Zeit zuläßt, mich weiter in diese Richtung fahrtechnisch bewegen.

F60: Gibt es schon Pläne für die nächste Reise?

Wolf: Bisher noch nicht.

F60: Was werden sie als erstes tun, wenn sie zu Hause angekommen sind?

Wolf: Ausschlafen. Denn was ich als erstes brauche, ist Urlaub von dieser langen Reise.

F60: Möchten Sie noch jemanden grüßen?

Wolf: Oh ja, sehr gerne. Zu allererst Grüße an Jana und Patrick, ohne die diese Reise für mich nicht möglich gewesen wäre. Ihr habt es tatsächlich geschafft und seid in Alaska. Bleibt heil und kommt gesund zurück in die Heimat. Dann grüße ich natürlich meine Familie und alle Freunde, wir sehen uns bald.

F60: Vielen Dank für dieses Gespräch und eine gute Heimreise.

 


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Und jetze???

Von Fairbanks nach Deadhorse, dem nördlichsten Punkt Amerikas, den man mit einem eigenen Fahrzeug erreichen kann, sind es 800 km. Und zwar Piste! Nun, da lag ein recht langer Weg vor uns und wir wussten nicht, wie der Straßenzustand sein wird. Fred warnte uns vor den Baustellen, die Goldwing-Fahrer vor dem Wetter und die Harley-Fahrer generell vor dem Dalton Highway, der für die nächsten Tage unser Zuhause sein sollte. In Gesprächen mit Freunden und Reisebekanntschaften, die diesen Weg gefahren sind, konnten wir drei Möglichkeiten ausmachen, ihn zu meistern. Gary (Alabama) fuhr die 1600 km – also Fairbanks – Deadhorse – Fairbanks – an einem Tag. Das ist möglich, da hier die Sonne zurzeit nicht wirklich untergeht und es 22 Stunden Tageslicht gibt. Fred hat die Strecke in zwei Tagen erledigt mit Übernachtung (in sehr teurem Hotel!!) in Deadhorse. Und die dritte Option hatten Norweger, die nach Panama unterwegs sind, ausprobiert: nach Coldfoot (liegt ungefähr auf der Hälfte, hat eine Tankstelle und Restaurant und besitzt daher in Alaska „Stadtrecht“), Zeltlager und von dort aus eine Tagestour ohne Gepäck nach Deadhorse.

Wir haben überlegt und überlegt, wie wir diese Strecke, die unsere Reise erst richtig rund macht, befahren sollen. Dank einer großzügigen Spende von Sigrun M. aus B. fiel uns die Entscheidung leicht und wir wählten Variante vier: Vier Tage Fahrt mit zwei Übernachtungen in Coldfoot und einer in Deadhorse. O.k. das ist die Mädchenvariante, aber was sage ich Euch: Es war eine der besten Entscheidungen, die wir auf der ganzen Reise gemacht haben. 7-8 Stunden täglich Pistenfahrt bei Schlamm und Modder reichen definitiv! Leider hatte uns das Wetterglück ein bisschen verlassen.

Und so fuhren wir aus Fairbanks los. Überraschenderweise waren die ersten Kilometer noch gut asphaltiert. Aber die Motorräder, die uns entgegen kamen, ließen mich an unserem Unternehmen zweifeln. Jana zu Patrick per Helmsprechanlage: „Haste die gesehen, oh man, die waren ja voller Schlamm und Dreck. Wollen wir da wirklich lang fahren?“ Und Patrick: „Die sahen doch noch gut aus, hab ich mir schlimmer vorgestellt!“ Was „schlimmer vorgestellt“, ich will ne trockene Piste, die gut zu befahren ist und Supertranse nicht dreckig wird!!! Ein bisschen Staub wäre o.k. Aber diese Vorstellung musste ich schnell verdrängen. Bereits die ersten Pistenkilometer zeigten: Ja, es hat viel geregnet in den letzten Tagen. Wir hatten zum Glück nur Niesel und manchmal ziemlich tiefhängende Wolken. Aber wir konnten die Strecke gut meistern. Es dauert halt bloß, auf den Pilotwagen zu warten, der einen durch die Baustelle lotst und das gleich bei mehreren Baustellen. Oder eine Schlammstrecke mit 9%-Fall im ersten Gang herunter zu kriechen. Also man muss mal sagen, diese Strecke wäre in Südamerika nicht zu befahren gewesen, hier kostete sie jedoch „nur“ Zeit. Nach manchen Streckenabschnitten mussten Patrick und ich erst einmal anhalten und uns „High Five“ geben, so erleichtert waren wir, dass wir nicht gestürzt sind. Und irgendwie war es kein gutes Gefühl, nicht zu wissen, was noch vor einem liegt und zu wissen, dass man das alles wieder zurückfahren muss. Und es war kalt, 6°C zeigte das Thermometer später und gefühlt waren es höchstens 3°C, wenn nicht sogar weniger. Egal, wir sind überglücklich in zwei Tagen in Deadhorse angekommen, haben im Hotel eingecheckt, die Betten Probe gelegen (herrlich, ich will so etwas fürs Zelt haben) und noch das obligatorische Foto geschossen: End of the Dalton Highway. Und da hatten wir es erreicht, unser Ziel, das wir uns irgendwann in Südamerika gesetzt hatten: von Ushuaia, Feuerland nach „keine Ahnung wie der Ort heißt“, Alaska – einmal komplett durch GANZ Amerika! We did it!!!!

Deadhorse ist ein sehr spezieller Ort: hier beginnt die Trans Alaska Pipeline, die uns den ganzen Weg begleitete. Hier gibt es nur Industrie, vom Wetter frustrierte Arbeiter und durchgeknallte Touristen, die das arktische Meer sehen wollen. Das einzig offene Hotel in Deadhorse (Container auf Wohnzimmer getrimmt mit Schlafwagencharakter) mit seinen super angenehmen Betten war nach drei Monaten Camping und den anstrengenden Fahrtagen eine richtige Wohltat. Ich wäre glatt noch eine Nacht geblieben… Bereits in Coldfoot hatten wir Ruth und Roy aus Edmonton, Kanada kennengelernt. Sie wollten eigentlich zelten, doch wessen Motorräder standen da vor dem Hotel? Wir speisten zusammen und fuhren am nächsten Tag den Weg gemeinsam zurück. Herrlichster Sonnenschein verriet, welch schöne Landschaft sich hinter den Wolken versteckt hatte. Die Piste war schnell getrocknet, so dass wir gut voran kamen, aber die vielen Fotostopps ließen diesmal die Zeit rennen. Als wir ein weiteres Mal an einer Baustelle auf den Pilotwagen warten mussten, kam ein Pick up auf und zu, und der Fahrer meinte freundlich warnend und zugleich beruhigend: „Take your time!“ Ich fragte schnell, ob denn die Straße schlechter sei als gestern. So ein überraschtes und gleichzeitig erstauntes Gesicht haben wir schon lange nicht mehr gesehen: „Ihr seid das gestern gefahren???“ Und noch ein schnelles: „You will be fine“ hinterher. Es stellte sich heraus, dass dieser nette junge Mann der Chef des ganzen Bautrupps war. Hätte ich das gewusst, hätte ich gleich mal gefragt, warum Baustellen denn „construction work“ heißen, wo sie doch eher einem Schlachtfeld bzw. einer großen Dekonstruktion ähneln. Obwohl der Pilotwagen diesmal super langsam gefahren ist, was im Endeffekt für uns Motorradfahrer in rutschigen Passagen noch gefährlicher ist, sind wir durch die Baustellen an diesem Tag gut gekommen. Aber es wartete noch Tag vier!

Die Tundra hatten wir bereits hinter uns gelassen, viel zu sehen gab es nicht. Langsam sah man wieder Baumwuchs. Und es gab nun richtigen Regen, nicht nur diesen Pseudo-Niesel. Dementsprechend weich und rutschig war so mancher Abschnitt des Dalton Highways geworden. Wahnsinn, wie unterschiedlich der gleiche Weg an zwei verschiedenen Tagen sein kann. Wir sind zum Glück ohne Unfälle durchgekommen, nur die Motorräder und auch wir waren mehr als dreckig. Ein Hochdruckreiniger musste her. Auf dem Weg nach Fairbanks sahen wir nur wenige Motorräder uns entgegen kommen, aber in ihren Gesichtern sah man geschrieben: „Oh mein Gott, wo kommen die denn her? Will ich wirklich dorthin?!“

Und was kommt jetze, nachdem wir unsere Mission erfüllt haben? Wir warten hier in Alaska darauf, dass endlich der Winter einbricht und die Beringstraße zufriert. Dann können wir über das Eis nach Asien fahren und über Russland nach Hause kommen… Nun, das vielleicht in einem anderen Leben! Jetzt geht es erst einmal in den Denali-Nationlpark, dann nach Anchorage, wieder in den Yukon rein (Yukon-Werbespruch: „Larger than life“) und nach British Columbia zu unseren Freunden mit dem großen Weinkeller – sie sind Winzer!

An dieser Stelle möchte ich die Gelegenheit nutzen und Mr. Tank danken. Ohne ihn, wäre die Fahrt nach Prudoe Bay nicht möglich gewesen, wir wären niemals an unserem Ziel angekommen. Näheres über Mr. Tank erfahrt ihr hier. Vielen, vielen Dank. Es bleibt nur noch eins zu sagen: Wir sehen uns bald in Berlin!!

Jana


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