Das f60-Team hakt nach

Diesmal zu Gast: Roman Wolf, begeisterter Vorfahrer im Dreiergespann. Seit knapp 8 Monaten unterwegs, davon 3 Monate allein in den USA.

F60: Hallo Herr Wolf, schön dass  sie den Weg in unsere Räume hier im 80.Stock in New York City gefunden haben.

Wolf: Vielen Dank für die Einladung.

F60: Da habe ich gleich mal eine Frage: Ist das nicht warm in diesen Klamotten?

Wolf: Nächste Frage.

F60: Gut. Sie waren ja die letzten 3 Wochen etwas von der Bildfläche verschwunden. Niemand wußte etwas genaues. Können sie uns und unseren Lesern verraten, wo es sie hin verschlagen hatte?

Wolf: Selbstverständlich. Gabi war ja nach New York gekommen, um mit mir gemeinsam 2 Wochen motorradfahrend zu verbringen. Da sie selbst begeisterte Fahrerin ist, hat sie sich ein Maschine gemietet und so wir sind gen Norden gefahren, um der Hitze hier unten zu entfliehen.

F60: Wo haben sie halt gemacht auf dieser 2wöchigen Tour?

Wolf: Die Rute führte uns hinein in den Bundesstaat New York, hinauf nach Kanada, um den Ontariosee herum und wieder südwärts durch New Hamshire, Vermont und zurück nach New York City. Höhepunkte auf dieser Tour waren unter anderem Lake Placid (einigen noch von den dort stattgefunden Olympischen Spielen bekannt), Niagarafälle, Ottawa und Montreal. Ach ja und natürlich die Ben&Jerrys Factory Tour.

F60: Wow, das klingt nach einer relativ langen Strecke in nur 2 Wochen. Viel gesehen oder viel gefahren?

Wolf: Beides. Wir haben uns für eine elegante Lösung entschieden. Kurze Tagesetappen (200-250km) und dafür genügend Zeit, um während der Fahrt öfter anhalten zu können oder beim Erreichen des Etappenziel noch den Ort zu erkunden.

F60: Was gab es landschaftlich auf dieser Strecke für Reize?

Wolf: Nun, wir waren im größten zusammenhängenden Waldgebiet der USA, den Andirondacks. Dann natürlich die Niagarafälle, wo die Kanadier zum 4.Juli ein pompöseres Feuerwerk aufboten als die amerikanischen Nachbarn. Außerdem sind wir durch das Thousand Islands Gebiet zwischen Toronto und Ottawa gefahren. Wasser und Inseln soweit das Auge reicht. Wir haben außerdem mit unseren Rädern den Mount Washington erklommen, den höchsten Berg im Osten der USA. Alles in allem also eine sehr sehenswerte Runde.

F60: Wo hat es sie in der verbleibenden Woche hin verschlagen?

Wolf: Nach dem ich Gabi verabschiedet habe, schwang ich mich wieder aufs Rad und düste Richtung Süden. Ziel war Atlanta, wo Freunde wohnen, die ich unbedingt noch besuchen wollte. Wie sich herausstellte eine gute Entscheidung.

F60: Wieso das?

Wolf: Nun, zunächst macht in Washington D.C. halt, was noch als offener Punkt auf meiner Liste stand. Wollte ich doch unbedingt das Weiße Haus einmal von nahem und mit meinen eigenen Augen sehen. Das obligatorische Beweisfoto befindet sich nun in meinem Besitz.

F60: Aber in D.C. ist es doch noch wärmer als hier bei uns in New York?

Wolf: Das ist richtig, deshalb fuhr ich von D.C. bis nach Atlanta auch nicht durchs Tal, sondern suchte mir einen Weg entlang der Appalachenberge. Bereits zuvor mehrfach empfohlen fuhr ich den gesamten Blue Ridge Parkway entlang. Dies ist eine über 750km lange Hochstraße, die sich zwischen 750 bis 1000m Höhe an den Bergen entlang zieht. Wunderschön und mit sovielen Kurven, dass man sich als Motorradfahrer nur solche Straßen wünscht. Als Belohnung wartete am Ende des Parkway der Tail of the Dragon. Eine 11Meilen lange Straße durch die Berge mit sagenhaften 318 Kurven. Weil es sich schön war, bin ich die Strecke gleich noch einmal gefahren.

F60: Nun ist ihre Reise fast vorrüber. Freuen sie sich schon auf die Heimreise?

Wolf: Auf jeden Fall. Familie und Freunde will ich wiedersehen, mich mit Berlin und dem Rhythmus der Stadt wieder vertraut machen.

F60: Worauf freuen sie sich am meisten?

Wolf: Auf ne schöne Fleischsalatstulle.

F60: Was werden sie von der Reise vermissen?

Wolf: Es gab jede Menge schöner Momente, einzigartige Stätten haben wir gesehen und jede Menge Leute getroffen und kennengelernt. Diese Momente werde ich missen, aber zunächst muss sich das Erlebte erstmal setzen.

F60: Welcher Ort/Land hat sie auf der Reise am meisten inspiriert?

Wolf: Da gab es mehrere. Faszinierend für mich war z.B. unser Ausflug in Kolumbien zu den Grabstätten bei Tierradentro und San Agustin. Beeindruckt haben mich auch die Nazca-Linien. Und natürlich die vielen antiken Maya-Städte in Mexiko, Guatemala und Honduras. Das waren einmalige Erlebnisse.

F60: Wie sind sie mit ihrem Motorrad klar gekommen?

Wolf: Überraschenderweise sehr gut. Lila, so habe ich meinen Schatz getauft, hat sich wacker geschlagen. Nur einmal hat sie mich im Stich gelassen. Da gabs diesen wirklichen satten Regen in den Bergen von Ecuador. Da ging ihr die Puste aus und die Batterie lief leer, nachdem der Starter voll Wasser gelaufen war. Die komplette Geschichte findet sich ja im Blog. Aber bis auf diesen Vorfall gab es keinerlei ernsthafte Probleme.

F60: Inwieweit hat diese Reise sie fahrtechnisch weitergebracht?

Wolf: Wenn ich mir vor Augen halte, dass ich erst vor 2 Jahren meinen Führerschein gemacht habe, staune ich selbst über das, was ich geleistet habe. Allein hätte ich mir diese Reise jedoch nicht zugetraut. Dadurch, dass wir zu dritt gereist sind, viel mir vieles leichter. Auch hatte ich keinerlei Erfahrung in der Reparatur meines Fahrzeugs. Durch Patrick habe ich viel gelernt und konnte zunehmend mehr Wartungsarbeiten allein durchführen. Fehler unterliefen mir dennoch, wie der verpatzte Kettenwechsel, der mich ein Zahnrad und zittrige Tage auf der Straße gekostet hat. Als Topfahrer würde ich mich dennoch nicht bezeichnen. Was ich aber herausgefunden habe, ist, dass mir das Fahren abseits des Asphalts Spaß macht.

F60: Was bedeutet das?

Wolf: Ich brauch ne Offroad-Karre und dann geht’s ab in Wald 🙂 Zumindest werde ich, sofern es meine Zeit zuläßt, mich weiter in diese Richtung fahrtechnisch bewegen.

F60: Gibt es schon Pläne für die nächste Reise?

Wolf: Bisher noch nicht.

F60: Was werden sie als erstes tun, wenn sie zu Hause angekommen sind?

Wolf: Ausschlafen. Denn was ich als erstes brauche, ist Urlaub von dieser langen Reise.

F60: Möchten Sie noch jemanden grüßen?

Wolf: Oh ja, sehr gerne. Zu allererst Grüße an Jana und Patrick, ohne die diese Reise für mich nicht möglich gewesen wäre. Ihr habt es tatsächlich geschafft und seid in Alaska. Bleibt heil und kommt gesund zurück in die Heimat. Dann grüße ich natürlich meine Familie und alle Freunde, wir sehen uns bald.

F60: Vielen Dank für dieses Gespräch und eine gute Heimreise.

 


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