Von Vulkanen, Zeltplatzglück und Schreckensminuten


Nachdem wir in Kanada ein paar alkoholreiche Tage im Okanagan-Tal verbracht hatten und jede Menge Wein probieren und genießen konnten, genossen wir unsere letzten Fahrtage in den USA. Es gab noch einiges zu erkunden und wir wollten noch einen uns liebgewonnen Freund wiedertreffen. Aber wie jedes Mal, wenn wir in die USA einreisten, erfolgte ein längeres Interview an der Grenze. Diesmal zwei Damen in Uniform. (Anmerkung: wenn ihr die Wahl zwischen Mann und Frau am Grenzposten habt, wählt den Mann!!!) „Wollen Sie Motorradteile in den USA lassen?“ Nein! (Warum sollte ich das? Ich will ja fahren und nicht schrauben.) „Führen Sie Obst und Gemüse in die USA ein?“ Ja, Pfirsiche, Pflaumen und Tomaten. „Tomaten! Die müssen Sie abgeben!“ O.k. „Haben Sie Waffen oder waffenähnliche Gegenstände dabei?“ Eine Machete und ein Taschenmesser! „Das ist o.k.! Wie finanzieren Sie sich Ihre Reise?“ Wir haben Geld gespart und müssen uns nach unserer Rückkehr einen neuen Job suchen. (Oh Mist, falsche Antwort. Alarm! Alarm! Jetzt ganz behutsam die nächsten Antworten wählen.) „Planen Sie in den USA zu bleiben und zu arbeiten?“ Nein. Auf keinen Fall, meine Mutter zählt schon die Tage bis zu unserer Rückkehr, ich muss nach Hause! (Und ich will hier auch nicht leben, wohnen oder einwandern. Es besteht aktuell eine 50%-Wahrscheinlichkeit, dass die Republikaner die Wahl im November gewinnen und ich muss befürchten, dass ich als Frau dann wieder am Herd stehen muss und mir das Motorradfahren verboten wird.) „Gute Fahrt!“ Na das war ja ein Kinderspiel! Ha, und die Frage, ob wir Alkohol mit uns führen, haben sie auch vergessen. Diesmal haben wir sogar eine kleine Flasche Eiswein dabei. Nun gut, dann schmuggeln wir die einfach rüber.


Trotz dieser mutwilligen Verzögerung haben wir es noch rechtzeitig zum Treffpunkt mit Freddo Frog geschafft. Was wir bis dahin nicht wussten: Es war „Labour Day“-Wochenende, also Kurzurlaub für alle und gleichzeitig das letzte Ferienwochenende. Und das Wetter war super. Hier um Seattle in Washington ist das meistens nicht der Fall. Regen gibt es viel, deshalb ist es auch recht grün – der „Evergreen“ State. Alle wollten zelten, waren schon angereist oder hatten mindestens einen Zeltplatz reserviert. Nur wir nicht! Ich weiß nicht wie, aber irgendwie haben wir es hinbekommen, dass wir jedes Mal den letztverfügbaren Zeltplatz bekommen haben. Einmal war der Zeltplatz vorreserviert, aber erst für den nächsten Tag und somit eine Nacht frei. Und ein anderes Mal war der bereits reservierte Platz zu klein für das riesige Zelt der Familie, so dass sie auf einen „Ausweichplatz“ ziehen musste und wir einen schönen Platz für uns hatten. Überraschenderweise waren die Zeltplätze sehr ruhig, trotz der Menge an Leuten. Es wurde aber auch schnell empfindlich kalt, so dass wir uns am Lagerfeuer unsere Geschichten erzählten. Und mit Freddo Frog erlebt man immer was. Ich erinnere mich noch an den Zeltplatz in Alberta, Kanada, wo wir fast rausgeschmissen wurden und uns eine hohe Geldstrafe angedroht wurde, weil irgend so ein Frosch unbedingt Unterholz verbrennen musste…


Und diesmal war ich der „Frosch“! Weil das Wetter so schön und die Fotomotive so reich waren, musste die Kamera unbedingt aufgeladen werden. Leider gibt es auf den Zeltplätzen im Nationalpark nur auf den Toiletten Strom. Kein Problem, dann häng ich die Fotokamera halt dort ran und gebe Acht, dass sie nicht entwendet wird. Also alles vorbereitet und schon lädt die Kamera.
Mist, warum sind da so viele Teenager. Mach ich mal einen Kontrollgang Nr. 1: Alles klar, Kamera da! Schön Wasser für die Suppe aufgesetzt. Und was macht schon wieder das Pärchen da solange? Sie rein, dann raus, er rein, dann raus, sie rein… Kontrollgang Nr. 2: Weiterhin alles Roger, Kamera da! Nur noch schnell die Zwiebel geschnitten, dann hat die Kamera eine Stunde Zeit gehabt zum Saft aufladen, das muss reichen. Zwiebel fertig, ich zum Toilettenhaus, Kamera: weg! Oh nein, das kann nicht wahr sein, Ohrfeige mich selbst mehr als zweimal, Mist was jetzt, das gibt es doch gar nicht und und und. Frag ich mal die Nachbarn vom Toilettenhaus. Nee wir haben niemanden mit einer Kamera gesehen, aber ich helf dir, sie zu finden. Ich denke nur: „finden“, alles klar, die ist weg und wird auch weg bleiben. Fange gleich schon wieder an, mich zu Ohrfeigen. Aber Frau Nachbarin sagt, sie betet für mich und das wird schon. Also klappern wir ein paar Zeltplätze ab, ohne Erfolg! Frau Nachbarin meint, sie gehe jetzt mal zum Platzwart, vielleicht hat der die Kamera genommen. Ich ziehe mit gesenktem Kopf und hängenden Schultern weiter. Nein ich frage nicht die Frau, die da friedlich liest und eine Weinflasche vor sich zu stehen hat. Und den Mittfünfzigermann, der weiß bestimmt auch nichts. Ach egal, ich frag ihn einfach. „Ja, meine Frau hat eine Kamera gefunden und sie mitgenommen. Ist es die hier?“ Jaaaaaaaaaaaaaaaaaa, die ist es. Und Danke, ich bin so froh, Danke, Danke… Ich diskutiere nicht, warum eigentlich „mitgenommen“. Hallo, die lag da nicht so zum Mitnehmen rum, sondern zum Aufladen! Und warum seid ihr Mitte 50, das passt nicht in meine Vorurteile-Schublade!!! Egal, die Schreckensminuten hatten ein Ende, der Abend war gerettet und Mt. Rainier und Mt. St. Helens konnten fotografiert werden.


Wir befinden uns gerade in dem Bergzug „Cascade Range“. Der zieht durch Washington und Oregon und zu ihm gehören jede Menge Vulkane. Am häufigsten ist bis jetzt Mt. St. Helens ausgebrochen. 1980 hat er seine schöne schneebedeckte Spitze verloren und zeigt seitdem einen riesigen Krater zur Nordseite hin mit einem Lavadom in der Mitte. 2004 war ein letzter kleinerer Ausbruch, der die Leute nicht flüchten ließ, sondern sie magisch anzog, Sensationstourismus eben! Die Wissenschaftler haben den Vulkan ausgiebig studiert und konnten neue Standards für mögliche Vulkaneruptionen weltweit definieren. Und was folgte: sie fürchten nun einen Ausbruch von Mt. Rainier! Der hat 25 Gletscher und in seinem „Einzugsgebiet“ leben vier Millionen Menschen. Ich glaube es wird Zeit, diesen Kontinent zu verlassen! Aber vorher geht es noch schnell zum Vulkan Mt. Baker 😉

Freddo Frog hat uns freundlicherweise ein kleines Video zur Verfügung gestellt, in dem ihr 1. uns fahren seht (leider hat Freddo Frog nur einen Einzylinder und kommt deshalb häufig nicht mit uns mit 😉 und 2. die mittlerweile in Regeneration befindliche, jedoch immer noch sichtbar zerstörte Landschaft nach dem Ausbruch von Mt. St. Helens sehen könnt. Freddo Frog ist jetzt wieder alleine unterwegs. Wir verpacken morgen Supertranse. Und Patricks Maschine wird auch abgeholt und erfreut sich dann eines neuen Besitzers. Das wars mit Motorradfahren in „the Americas“. Schön wars. Aber alles hat ein Ende….
Jana


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Bye, Bye, My Love!

Ja, so ist es, wenn es am schönsten ist, sollte man sich trennen. Es bleiben wunderbare Erinnerungen an gemeinsame Zeiten. Die helfen über den ersten Schmerz hinweg. Und später, wenn man mit genügend Abstand seiner verflossenen Liebe etwas anhängen will, bleiben nur die guten Zeiten übrig, die man nicht missen möchte.

Keine Angst, Supertranse und ich, wir sind immer noch ein eingespieltes Team. Und Patrick gibt es auch noch. Aber fast wäre es soweit gewesen und er hätte wahr gemacht, worüber er seit Südamerika in jeder erdenklichen Sekunde und jedem sich bietenden Augenblick sprach: „In Nordamerika schließe ich mich einer Bärenfamilie an!“ Da war sie, die Grizzlyfamilie, die auf ihn wartete und schon mal Fische für ihn fing. Vier Geschwister wollten ihn als Bruder adoptieren und die Grizzlymutter winkte ihm zu (andere missverstanden diese Geste als Versuch, einen Lachs zu erhaschen, aber ich war dabei und habe es genau beobachtet…), Patrick hielt Augenkontakt und drehte sich in letzter Minute um und meinte bloß: „Die haben weder Internet noch Bundesliga, das ist kein Leben für mich!“ Also auch Patrick sitzt weiterhin mit im Boot.

Wir mussten uns von Alaska trennen!!! Es war eine wunderbare Zeit, obwohl es in den letzten Tagen mehr als genügend Wolken mit und ohne Regen gab. Mit Hyder haben wir jetzt den 49. Bundesstaat der USA endgültig verlassen. Nur 2000 Kilometer waren wir in Deadhorse vom Nordpol entfernt. Und von Deadhorse nach Hyder sind es gerade mal 2800 schlappe Kilometer. Die kürzeste Strecke versteht sich. Alaska ist riesig und das nicht nur flächenmäßig.

Uns haben das Wilde und die Wildtiere sehr begeistert. Elche im See fressend und badend, Bären den Hang herunterrutschend und kurz vor der Straße abstoppend uns überrascht anschauend, Weißkopfseeadler nur 20m von uns entfernt im Nest hockend und ein Humpbackwal der einen riesigen Sprung vorführt. Einfach toll. Richtige Tierkenner oder sogar Ornithologen sind wir nicht geworden. Ein Beispiel? Gerne! Einer von uns beiden: „Da ist ein Bär…, ach nee, ist ein Pferd!“ Auflösung: Es war ein Elch!!! Wir wollen hier niemanden bloß stellen, deswegen bleibt Gesagtes fast anonym.

Aber auch die Menschen in Alaska sind etwas wilder und rauer (alte Rechtschreibung: rauher). So sieht man das mit dem Vorfahrtnehmen nicht ganz so eng. Ist auch nicht so schlimm, denn man ist meistens eh alleine auf der Straße. Und angeblich gibt es weniger Regeln und Gesetzte als in den „Lower 48“, also dem Rest der USA. Wir haben davon auch Gebrauch gemacht und sind in Mc Carthy gleich mal über die Fußgängerbrücke gefahren. Hat keinen interessiert und in Kennicott (da wollten wir hin) wurden wir begeistert empfangen. Sie wünschten sich mehr von uns, meinten sie. Dort in der Wildnis, von uns Einöde, von den Leuten vor Ort „Busch“ genannt, waren wir einem riesigen Gletscher ganz nah und konnten von der Geschichte der alten Kupfermiene mitgerissen werden. Eine technische Meisterleistung für die damalige Zeit. Verdient haben natürlich ausschließlich die Eigentümer an der Ostküste. Und mit dem Geld wurde dann zweckmäßig in Kupfermienen in Chile investiert.

Zwei kritische Aspekte von Alaska dürfen aber nicht unerwähnt bleiben. 1. Sarah Palin ist hier immer noch ein Star, war sie doch drei Jahre Gouverneurin von Alaska. Und 2. Die ewigen Zugeständnisse ans Militär, überall präsent und überall Rabatte für aktive und berentete Militärs!

Obwohl es ein paar kleine Schwierigkeiten bei der Einreise nach Alaska gab, konnten wir es ohne Größere wieder verlassen. Nur an der kanadischen Grenze (die insgesamt vierte Einreise nach Kanada wohlgemerkt) mussten wir unser Pfefferspray, das wir als Bärenspray deklarierten, abgeben, weil auf dem Spray kein Bär abgebildet war. Als ob das einen Bären interessieren würde!!! Na gut, dann also ohne Bärenschutz weiter. Dafür durften wir in Hyder bei herrlichstem Sonnenschein den Salmon Gletscher bewundern. Hier eine 360°-Ansicht. Wir werden Alaska vermissen, aber auch den Yukon. Die langen Fahrten durch die Wildnis werden in Erinnerung bleiben und sicher bald den Wunsch wecken, wieder mitten in und mit der Natur zu leben. Wir waren mit Sicherheit nicht zum letzten Mal hier.

Und denkt dran: Wenn neben der Garage ein Auto und ein Kleinflugzeug stehen, wenn man die Angel nur in den Fluss zu halten braucht und schon beißt ein Fisch an, wenn ein Bär einfach über die Straße trottet, wenn nach einem die Straße benannt wird, nur weil man hier als Erster gelebt hat und wenn die Sonne entweder immer oder gar nicht scheint, dann befindet man sich in Alaska!!! Übrigens gibt es von Frankfurt nach Anchorage Direktflüge mit Condor. Und da kann man super das Fahrrad mitnehmen, wenn man will…

Auf Alaska! Und auf die See!
Jana


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Gewinnspiel #2 – Auflösung

Guten Abend allererseits!

Gestern war Einsendeschluss für die zweite Auflage unseres Gewinnspiels. Zeit also, es heute aufzulösen.

Vielleicht fangen wir mal mit der richtigen Lösung an:

Ad 1.
Es handelt sich weder um einen Präriehund (Schwarzschwanz oder was auch immer), noch um einen Hasen und auch nicht um ein Känguru.
Die richtige Antwort, die tatsächlich niemand gegeben hat, war:
ERDHÖRNCHEN (engl. Groundsquirrel).
Da hier niemand die richtige Antwort gegeben hat, entfällt die Wertung dieser Frage – tsetsetse…

Ad 2.
Sehr gut gefallen haben uns die Antworten “Patrick, morgens, nach dem aufwachen, wenn ihm Jana einen frischen Kaffee ans Bett gebracht hat” und “Mallorcapauschaltourist beim Rückenschwimmen im Pool”. Richtig hingegen war natürlich:
SEEOTTER.
Und bitte, SEEotter nicht FISCHotter oder Seehund und Robbe…

Ad 3.
Da wir hier die “äußerst seltene Bärenunterart “Patrickus-Kasiursus” bei der Brunft” nicht zu gesicht bekommen haben, kann sie auch nicht die Lösung sein. Wer allerdings
BÄR, GRIZZLY oder SCHWARZBÄR
geschrieben hat, lag natürlich richtig.

Unter den ungefähr 3006 Einsendung konnten sich am Ende natürlich nur zwei durchsetzen, deren Voraussetzungen optimal waren und deren Sterne besonders gut standen. Gewinner des f60punkt2.de-Gewinnspiels #2 sind (Trommelwirbel und all dieser Quatsch, damits wichtig aussieht):
Peer C. (Vegetarier, Tierfreund und Biofatzke)
Christoph W. (Berliner)

Herzlichen Glückwunsch und ein donnernder Applaus den Sieger!!! Was ihr außer Ruhm und Ehre gewonnen habt, wissen wir natürlich selbst noch nicht. werdet ihr dann aber sehen, wenn wir wieder in Deutschland sind – is ja nich mehr sooo lange hin.

Dann feiert mal schön! Bis die Tage,

Paddy (im Namen der gesamte 40-köpfigen Gewinnspieljury!)


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Alaskablumengeburtstagsgrüße

Hoch soll sie leben, hoch soll sie leben, sechsundsechzigmal hoch…
Wir wünschen Dir einen wunderschönen Geburtstag und drücken die Daumen fürs Wetter und wünschen auch noch eine tolle Feier! So viele Wünsche, da muss doch was in Erfüllung gehen. Wir sind in Gedanken bei Dir und in einem Monat hinten auf der Sitzbank in deinem Auto! Bis dahin kannst du Dich der Blumen erfreuen.
Alles Gute und Herzlichen Glückwunsch!

 


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Full-Day Halibut Fishing

dscn7558Patrick geht Hochseeangeln. Fängt 2 Fische. Ist stolz wie Bolle. Verschenkt einen Fisch und klagt über Schmerzen im linken Arm (auf Nachfrage, wo es denn am meisten schmerzt: “Überall”!) Und was hat man dann am Ende davon? Nen riesigen filetierten Heibutt (16 Pfund) und 2 Stunden Fischbraten. Und wahrscheinlich die nächsten drei Tage das gleiche Abendbrot. Super!!!

l


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Und jetze???

Von Fairbanks nach Deadhorse, dem nördlichsten Punkt Amerikas, den man mit einem eigenen Fahrzeug erreichen kann, sind es 800 km. Und zwar Piste! Nun, da lag ein recht langer Weg vor uns und wir wussten nicht, wie der Straßenzustand sein wird. Fred warnte uns vor den Baustellen, die Goldwing-Fahrer vor dem Wetter und die Harley-Fahrer generell vor dem Dalton Highway, der für die nächsten Tage unser Zuhause sein sollte. In Gesprächen mit Freunden und Reisebekanntschaften, die diesen Weg gefahren sind, konnten wir drei Möglichkeiten ausmachen, ihn zu meistern. Gary (Alabama) fuhr die 1600 km – also Fairbanks – Deadhorse – Fairbanks – an einem Tag. Das ist möglich, da hier die Sonne zurzeit nicht wirklich untergeht und es 22 Stunden Tageslicht gibt. Fred hat die Strecke in zwei Tagen erledigt mit Übernachtung (in sehr teurem Hotel!!) in Deadhorse. Und die dritte Option hatten Norweger, die nach Panama unterwegs sind, ausprobiert: nach Coldfoot (liegt ungefähr auf der Hälfte, hat eine Tankstelle und Restaurant und besitzt daher in Alaska „Stadtrecht“), Zeltlager und von dort aus eine Tagestour ohne Gepäck nach Deadhorse.

Wir haben überlegt und überlegt, wie wir diese Strecke, die unsere Reise erst richtig rund macht, befahren sollen. Dank einer großzügigen Spende von Sigrun M. aus B. fiel uns die Entscheidung leicht und wir wählten Variante vier: Vier Tage Fahrt mit zwei Übernachtungen in Coldfoot und einer in Deadhorse. O.k. das ist die Mädchenvariante, aber was sage ich Euch: Es war eine der besten Entscheidungen, die wir auf der ganzen Reise gemacht haben. 7-8 Stunden täglich Pistenfahrt bei Schlamm und Modder reichen definitiv! Leider hatte uns das Wetterglück ein bisschen verlassen.

Und so fuhren wir aus Fairbanks los. Überraschenderweise waren die ersten Kilometer noch gut asphaltiert. Aber die Motorräder, die uns entgegen kamen, ließen mich an unserem Unternehmen zweifeln. Jana zu Patrick per Helmsprechanlage: „Haste die gesehen, oh man, die waren ja voller Schlamm und Dreck. Wollen wir da wirklich lang fahren?“ Und Patrick: „Die sahen doch noch gut aus, hab ich mir schlimmer vorgestellt!“ Was „schlimmer vorgestellt“, ich will ne trockene Piste, die gut zu befahren ist und Supertranse nicht dreckig wird!!! Ein bisschen Staub wäre o.k. Aber diese Vorstellung musste ich schnell verdrängen. Bereits die ersten Pistenkilometer zeigten: Ja, es hat viel geregnet in den letzten Tagen. Wir hatten zum Glück nur Niesel und manchmal ziemlich tiefhängende Wolken. Aber wir konnten die Strecke gut meistern. Es dauert halt bloß, auf den Pilotwagen zu warten, der einen durch die Baustelle lotst und das gleich bei mehreren Baustellen. Oder eine Schlammstrecke mit 9%-Fall im ersten Gang herunter zu kriechen. Also man muss mal sagen, diese Strecke wäre in Südamerika nicht zu befahren gewesen, hier kostete sie jedoch „nur“ Zeit. Nach manchen Streckenabschnitten mussten Patrick und ich erst einmal anhalten und uns „High Five“ geben, so erleichtert waren wir, dass wir nicht gestürzt sind. Und irgendwie war es kein gutes Gefühl, nicht zu wissen, was noch vor einem liegt und zu wissen, dass man das alles wieder zurückfahren muss. Und es war kalt, 6°C zeigte das Thermometer später und gefühlt waren es höchstens 3°C, wenn nicht sogar weniger. Egal, wir sind überglücklich in zwei Tagen in Deadhorse angekommen, haben im Hotel eingecheckt, die Betten Probe gelegen (herrlich, ich will so etwas fürs Zelt haben) und noch das obligatorische Foto geschossen: End of the Dalton Highway. Und da hatten wir es erreicht, unser Ziel, das wir uns irgendwann in Südamerika gesetzt hatten: von Ushuaia, Feuerland nach „keine Ahnung wie der Ort heißt“, Alaska – einmal komplett durch GANZ Amerika! We did it!!!!

Deadhorse ist ein sehr spezieller Ort: hier beginnt die Trans Alaska Pipeline, die uns den ganzen Weg begleitete. Hier gibt es nur Industrie, vom Wetter frustrierte Arbeiter und durchgeknallte Touristen, die das arktische Meer sehen wollen. Das einzig offene Hotel in Deadhorse (Container auf Wohnzimmer getrimmt mit Schlafwagencharakter) mit seinen super angenehmen Betten war nach drei Monaten Camping und den anstrengenden Fahrtagen eine richtige Wohltat. Ich wäre glatt noch eine Nacht geblieben… Bereits in Coldfoot hatten wir Ruth und Roy aus Edmonton, Kanada kennengelernt. Sie wollten eigentlich zelten, doch wessen Motorräder standen da vor dem Hotel? Wir speisten zusammen und fuhren am nächsten Tag den Weg gemeinsam zurück. Herrlichster Sonnenschein verriet, welch schöne Landschaft sich hinter den Wolken versteckt hatte. Die Piste war schnell getrocknet, so dass wir gut voran kamen, aber die vielen Fotostopps ließen diesmal die Zeit rennen. Als wir ein weiteres Mal an einer Baustelle auf den Pilotwagen warten mussten, kam ein Pick up auf und zu, und der Fahrer meinte freundlich warnend und zugleich beruhigend: „Take your time!“ Ich fragte schnell, ob denn die Straße schlechter sei als gestern. So ein überraschtes und gleichzeitig erstauntes Gesicht haben wir schon lange nicht mehr gesehen: „Ihr seid das gestern gefahren???“ Und noch ein schnelles: „You will be fine“ hinterher. Es stellte sich heraus, dass dieser nette junge Mann der Chef des ganzen Bautrupps war. Hätte ich das gewusst, hätte ich gleich mal gefragt, warum Baustellen denn „construction work“ heißen, wo sie doch eher einem Schlachtfeld bzw. einer großen Dekonstruktion ähneln. Obwohl der Pilotwagen diesmal super langsam gefahren ist, was im Endeffekt für uns Motorradfahrer in rutschigen Passagen noch gefährlicher ist, sind wir durch die Baustellen an diesem Tag gut gekommen. Aber es wartete noch Tag vier!

Die Tundra hatten wir bereits hinter uns gelassen, viel zu sehen gab es nicht. Langsam sah man wieder Baumwuchs. Und es gab nun richtigen Regen, nicht nur diesen Pseudo-Niesel. Dementsprechend weich und rutschig war so mancher Abschnitt des Dalton Highways geworden. Wahnsinn, wie unterschiedlich der gleiche Weg an zwei verschiedenen Tagen sein kann. Wir sind zum Glück ohne Unfälle durchgekommen, nur die Motorräder und auch wir waren mehr als dreckig. Ein Hochdruckreiniger musste her. Auf dem Weg nach Fairbanks sahen wir nur wenige Motorräder uns entgegen kommen, aber in ihren Gesichtern sah man geschrieben: „Oh mein Gott, wo kommen die denn her? Will ich wirklich dorthin?!“

Und was kommt jetze, nachdem wir unsere Mission erfüllt haben? Wir warten hier in Alaska darauf, dass endlich der Winter einbricht und die Beringstraße zufriert. Dann können wir über das Eis nach Asien fahren und über Russland nach Hause kommen… Nun, das vielleicht in einem anderen Leben! Jetzt geht es erst einmal in den Denali-Nationlpark, dann nach Anchorage, wieder in den Yukon rein (Yukon-Werbespruch: „Larger than life“) und nach British Columbia zu unseren Freunden mit dem großen Weinkeller – sie sind Winzer!

An dieser Stelle möchte ich die Gelegenheit nutzen und Mr. Tank danken. Ohne ihn, wäre die Fahrt nach Prudoe Bay nicht möglich gewesen, wir wären niemals an unserem Ziel angekommen. Näheres über Mr. Tank erfahrt ihr hier. Vielen, vielen Dank. Es bleibt nur noch eins zu sagen: Wir sehen uns bald in Berlin!!

Jana


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!!! Mission acclompished !!!

Step 1:

Step 2:

Geplant war das nicht. Aber wir haben sie gesehen, die beiden privat befahrbaren Enden Amerikas, Ushuaia und Deadhorse. Rund 70.000 Kilometer oder ungefähr 45.000 Meilen liegen hinter uns.

We’re coming home …


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Im Bärenland

So, gleich zum Anfang: Das hier links ist wirklich ein Bär und er hat sich auch wirklich so hingesetzt. Keine Fotomontage, kein Photoshop. Und er hat kein Honigglas zwischen den Pfoten… Wir wollten Bären sehen. Und wir hatten Glück, wir haben jede Menge gesehen. Und auch noch anderes Getier. Wir haben den Yukon erreicht und tatsächlich sind wir nur noch eine Tagesetappe von Alaska entfernt. Mittlerweile sind die Temperaturen etwas niedriger geworden, aber mit dem Wetter haben wir bis jetzt richtig Glück: jeden Tag Sonnenschein. Wir haben Kältestufe Eins (von dreien) eingeläutet, d. h. wir haben unsere Wärmeinlays in die Motorradkleidung eingeknüpft. Stufe Zwei bedeutet Sturmhaube und Innenhandschuhe (unter den Motorradhandschuhen). Und Stufe Drei heißt: Hotel!!

Aber zurück zu den Bären. Auf unserem Weg durch die Nationalparks Banff und Jasper haben wir einen Schwarzbären, einen richtigen Zottelbären beobachten dürfen. Wie er so durch das Gras schlendert und frisst. Und wie er das Gefressene auch wieder los wird. Alle Autos haben gestoppt und die Insassen diesem Bären zugeguckt. Dieser ließ sich vom „Animal Jam“ (offizielle Bezeichnung des Staus, der sich deswegen bildet) gar nicht beeindrucken. Auch nicht von den Japanern, die sich vor ihm positionierten, um ein gemeinsames Foto mit ihm zu erhaschen. O.k. es können auch Koreaner oder Chinesen gewesen sein, aber ich bediene mich einfach der Schublade „Japaner“. Ein Filmchen haben wir auch gedreht, ein künstlerisches Meisterwerk – wir wollen ihn euch nicht vorenthalten: Zuerst wird die Privatssphäre von Bummi, dem Bären, gestört – ein Wackeln soll die Zensur vortäuschen 😉 – und dann rennt eine Japanerin gegen mein Motorrad – wieder Wackeln – und versteht mein Bitte nicht, doch links am Mottorrad vorbei zu laufen und läuft stattdessen durch das Bild. Aber Bummi lässt sich auf seiner Nahrungssuche nicht stören…

Froh, einen Bären gesehen zu haben, kamen wir auf der Fahrt Richtung Yukon noch viele weitere Male in diesen Genuss, Schwarzbären am Straßenrand zu sehen. Eine Grizzlyfamilie haben wir auch gesehen. Manchmal laufen sie auch einfach über die Straße. Ohne vorher nach links oder rechts zu schauen. Und generell können Tiere mit Motorrädern nichts so richtig anfangen. Die Schafe und Ziegen sind eher skeptisch und beobachten ganz genau, wohin sich dieses Gefährt bewegt. Und auch die Bären ignorieren die Motorräder nicht so wie die Autos. Uns hat es nur bestärkt, dass wir uns – hoffentlich ausreichend – vorher mit der Psyche des Bären beschäftigt haben. Patrick ist mittlerweile sozusagen DER Spezialist in allen Fragen rund um das Verhalten von Bären und das Verhalten von Mensch zu Bär geworden. Wir haben in unseren Tagesablauf mehrere Trainingseinheiten aufgenommen, in denen wir Gefahrensituationen üben. Vor den praktischen Übungen doziert Patrick über Möglichkeiten von Verhaltensweisen dem Bären gegenüber.

Normalerweise attackiert ein Bär den Menschen nicht. Kommt der Bär einem doch zu nahe, soll man Krach machen, z. B. singen. Hilft das nicht, wechselt man in die sonore Stimmenlage und spricht zu ihm ruhig und gelassen. (Es stellt sich bloß die Frage, welchen Gesprächsstoff man wählt? – Wetter, Politik oder Klimaerwärmung???) Dabei soll man sich langsam rückwärts bewegen. Und dem Bären immer einen Fluchtweg lassen!! Sollte auch das nicht helfen und der Bär greift nun doch an, so empfehlen die „Richtlinien im Umgang mit Bären“: PLAY DEAD! Das heißt: auf den Bauch legen, die Beine gespreizt, die Hände in den Nacken (zum Schutz vor Angriffen des Bären) und nur flach und ruhig atmen – halt tot sein! Eigentlich sollte der Bär dann abhauen. Wenn der Bär aber nach zwei Minuten immer noch großes Interesse an der Menschengestalt zeigt, dann, ja dann soll man den Bären angreifen und (zurück)kämpfen. So sieht die Theorie aus! Irgendwann kann man auch noch Bärenspray benutzen. In der Hoffnung, dass es hilft und nur, wenn man damit umgehen kann. Aber wie gesagt, Bären sind eigentlich ganz friedlich und wollen nur in Ruhe gelassen werden.

Weil Bären quasi Vegetarier sind, darf ich bei den praktischen Trainings zuerst den Bären spielen. Da ich aber Patrick immer Handschellen anlegen will, wenn er breitbeinig auf dem Bauch vor mir liegt, werde ich mit folgender Begründung disqualifiziert: „Du kannst keinen Bären darstellen, vielleicht solltest du lieber über eine Schauspielerkarriere als Eichhörnchen nachdenken!“
Nun alle Begegnungen mit Bären waren bis jetzt friedlich. Aber ich muss hier nochmals auf einen Aspekt eingehen, der gerne allzu oft vernachlässigt wird. Die Ungleichgewichte im Straßenverkehr!! Autofahrer und ihre Begleiter können ohne Bedenken an den Bären heranfahren, bedienen den Fensterheber und schon haben sie perfekte Fotos. Wir Motorradfahrer müssen genügend Abstand zum Bären einhalten, sind sowieso interessanter, werden auch leichter geortet und müssen den Motor laufen lassen, um uns das Hintertürchen offen zu halten, jederzeit schnell wegfahren zu können. Ich habe mich schon mit Radfahrern darüber unterhalten. Und ich kann nur sagen: Tauschen möchte ich nicht!

Aber es gibt noch andere Tiere, die uns hier in der kanadischen Wildnis begegnen. Neben Wildpferden haben wir auch noch Bekanntschaft mit einer Büffelherde gemacht. Interessanterweise stellten sich die Büffelmänner – je näher sie in unsere Richtung kamen – vor die Herde. Und heute haben wir einen „Bald Eagle“ (Weißkopfseeadler, das amerikanische Wappentier) gesehen. Diese Eindrücke, der Natur ganz nah zu sein, sind wirklich großartig. Und hier jetzt für euch noch ein kleiner Film, diesmal aber in deutlich besserer Qualität. Das abrupte Ende kam daher, da der Bär dann doch empfindlich nahe war 😉 In diesem Sinne: Esst Gummibären, denkt an Knuth (R.I.P.) und lasst es euch gut gehen. Wir machen das!

Und zum Schluss mein Lieblingstier, manchmal in Gestalt einer Leseratte – fast Live-Bilder direkt aus unserem Zelt!

Jana


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