Sauna, Akka, Lava

Wir wohnen seit ein paar Tagen auf der Baustelle, die das Sommerhaus von Heikki und Ulla ist. Von einem HäusCHEN oder einer Datsche kann man eigentlich nicht sprechen. Es ist ein bisschen zu groß. Aber es wird noch ein wenig dauern, bis Heikki es komplett fertig gebaut hat. Er macht das alleine. Ist aber egal. Die Sauna – sie wurde in den Fels gesprengt – ist nämlich schon fertig. Also kann man hier auch wohnen. So ist das bei den Finnen. Und es gibt schlechtere Plätze, um ein Haus zu bauen. Etwas erhöht liegt es über der Bucht eines großen Sees. Drumherum viel Wald und ein Nachbarn, den man nicht wahrnehmen kann. Man könnte Fische fangen, wenn man es könnte. Ich kann es offenbar nicht. Habe aber Spaß am Versuch. Jana hingegen versucht sich in Dingen, die sie beherrscht: Fotos vom selben Motiv mit unterschiedlichem Licht machen. Irgendwie wie Urlaub.
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Da wir aber immer an der Kultur der Länder interessiert sind, die wir besuchen, haben wir gestern auch an einer traditionellen Tanzveranstaltung teilgenommen. Mehr passiv aber immerhin. Dafür gibt es hier eigene Gebäude. Man nennt das dann Lava und in diesem Fall Kajaste Lava. In einem etwa zehneckigen Raum bewegten sich zahlreiche Paare unterschiedlichsten Alters zu Livemusik tanzend gegen den Uhrzeigersinn um den Mittelpfosten. Die Musik kam von einer kleinen Bühne und wurde von Jungs dargeboten, die man ihrem Äußeren nach eher beim Rockfestival erwartet hätte, das gleichzeitig in einer Stadt 130 Kilometer südlicher vermutet hätte. Wohlklingender Name der Kombo: Tanssiorkesteri Esteri. Gespielt wurden Klassiker finnischen Tangos, Humppas und Schlagers. Im Tanzraum war das Essen, Trinken und Rauchen streng verboten. Wir ließen uns belehren, dass es eine ganze Bewegung gäbe, die jedes Wochenende mit ihren Campern zu derlei Tanzveranstaltungen führen.
Um kurz vor 23 Uhr dann der Auftritt von Jean S. Dabei handelte es sich nicht um einen gesuchten französischen Schwerverbrecher. Vielmehr gab eine finnische Showband Coverversionen finnischer und internationaler Klassiker zum Besten. Das war lustig. Getoppt hätte es vielleicht werden können, wenn sich unsere Sprachkenntnisse nicht auf unsinnige Kurzsätze beschränken würden. Dazu gleich mehr. Nach zwei Stunden endete der Auftritt mit dem Absingen finnischer Kinderlieder unter Einbezug des Publikums. Also außer Jana und mir natürlich. Dann fuhren wir zurück in unser Haus – um eine interessante Erfahrung reicher und nüchtern, versteht sich!
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Mit Sprachen, die man nicht beherrscht ist es ja immer ein wenig schwierig. Man lernt erste Worte, weiß aber nicht, ob man sie auch so ausspricht, dass man verstanden wird. Da hilft nur eines: ausprobieren! Ich empfehle aus eigener Erfahrung folgendes Vorgehen: Man lerne einen Satz, den man sich vom Mutterprachler  (hier Heikki) hat beibringen lassen. In meinem Fall war es ein sehr kurzer Satz, was sich anbietet. Mein Satz lautete: „Turpa kiinni, akka!“ Heikki hatte ihn mir beigebracht, weil ich nach der Bedeutung des Namens ‚Akka-Koli‘ fragte. Das ist der höchste Punkt Ostfinnlands – super Aussicht! Wissend um die etwas fragwürdige Bedeutung des Satzes weihe man noch weitere Begleiter mit Sprachkenntnis ein (hier Ulla) ein, auf das sie nicht überrascht werden. Bei passender Gelegenheit dann, schleudere man den Satz seiner Partnerin so laut entgegen, dass mindestens die umstehenden Menschen Kenntnis nehmen und beobachte die Reaktionen.
Wir standen zu dritt vor einem Gebäude des Aussichtpunkts und ich nutzte die Gelegenheit, Ulla mein Experiment anzukündigen: „Heikki hat mir einen Satz auf Finnisch beigebracht. Ich werde ihn gleich benutzen. Du wirst entweder entsetzt sein oder lachen.“ Sie schaute ein wenig irritiert aber das musste reichen. Jetzt kam Jana als letzte aus dem Gebäude und drängte: „Wir müssen die Seilbahn nach unten bekommen.“ Das war meine Chance: „Turpa kiinni, akka!“ schleuderte ich ihr entgegen. Und die Wirkung war erstaunlich! Weniger bei Jana, die mich ja nicht verstehen konnte. Eher schon bei Ulla, die durchaus… wie soll ich sagen… erstaunt war. Über den Satz als solchen zum einen. Zum anderen aber vor allem über die Blicke sämtlicher Umstehender, die sich sofort zu uns umgedreht hatten. Hach, welch Späßchen! Ich stieg in die Seilbahn und war verschwunden, Gewinner, der ich war! Und offenbar hatte Heikki bei der Übersetzung nicht geflunkert. Der Satz lässt sich wohl am ehesten wie folgt übersetzen: „Halt’s Maul, alte Schachtel!“
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In diesem Sinne bleibt tapfer,

Paddy

PS: Geht doch!
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Like Coming Home

Wir müssen uns ein wenig entschuldigen. Bei unseren werten Lesern, weil es eine kleine Pause gegeben hat. Vor allem aber bei den drei baltischen Republiken, weil wir ihnen definitiv nicht so viel Zeit gewidmet haben, wie sie verdient gehabt hätten. Die Verabredung mit Heikki und Ulla in Finnland hat uns einen Termin gesetzt, den wir anders kaum gehalten hätten. Also zwei lange Etappen und ein Ruhetag vor der Fährfahrt nach Helsinki. Das heißt auch: Wenig zu erzählen von den Ländern. Landschaftlich – soweit zu beurteilen – wirklich schön. Die Autobahnen durchaus gut ausgebaut und die Menschen, mit denen wir dann doch gesprochen haben, durchweg freundlich und hilfsbereit. Um aber auch gleich ein Pauschalurteil zu fällen: Autofahren konnten sie in all den vier Ländern von Polen bis nach Estland nicht wirklich gut. Das ist aber auch schwierig, wenn die wichtigste Aufgabe des Fahrens offenbar nicht das sichere Erreichen des Ziels, sondern vielmehr das Überholen als solches und auf jeden Fall, egal was es koste, ist. Vier Autos passen doch locker nebeneinander auf zwei Spuren. Und wegen Gegenverkehrs direkt neben dem eigentlich zu überholenden Motorrad wieder auf die rechte Spur einzuscheren ist doch auch kein Problem – jedenfalls nicht für den Autofahrer. Naja, alles gut überstanden.
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Ruhetag dann im Nationalpark Lahemaa östlich von Tallin. Küstenlandschaft mit vielen Nadelbäumen, einigen Birken und vor allem vielen Findlingen im Wasser. Man darf sie guten Gewissens malerisch nennen. Wir entschieden uns für den zweiten der beiden vorhandenen Campingplätze – der Garten eines Privathauses. Die Alternative wäre eine Art „Ferienlager“ gewesen, dass Jana an ihre Kinderzeiten erinnerte. Das haben wir später auch zweimal besucht, weil es da W-Lan gab und was zu essen. Beim ersten Besuch wirbelte dort eine Schülergruppe herum. Beim zweiten waren es gleich ca. hundert Erwachsene. Deshalb gabs dann plötzlich nichts mehr zu trinken für uns. Gefeiert haben sie bis ungefähr um 2 Uhr nachts. Das war nicht soooo weit weg von unserem Zelt. Auch überlebt. Genau wie die Mücken. Ansonsten: Gelesen, Mopeds gewartet, in der Sonne gelegen, Wäsche gewaschen.
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Uns war ja schon bei unserem ersten Besuch in Tallin (das war so 2006) der hohe Anteil finnischer Jugendlicher in der Stadt aufgefallen. Eine Auswirkung der finnischen Alkoholpreispolitik, wie wir erfahren durften. Es ist billiger, mit der Fähre von Helsinki nach Tallin zu fahren, sich volllaufen zu lassen, zusätzlich pallettenweise Bier einzupacken und dann mit der Fähre zurückzufahren als sich in Helsinki zu betrinken.
Es gibt zwei Fähren für die Fahrt von Tallin nach Helsinki. Eine braucht zwei Stunden, die andere dreieinhalb. Man bucht die längere. Wir, weil sie billiger ist. Die anderen, weil man mehr Zeit hat, weiter zu trinken. Wir haben nur gehofft, dass die Gruppen wenigstens jeweils einen dabei haben, der noch fahrtüchtig genug wäre, ein Fahrzeug unfallfrei von der Fähre zu manövrieren. Wir werden es nicht erfahren: Wir durften die Fähre als Erste verlassen!
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Nach einer Nacht auf einem Campingplatz knapp außerhalb Helsinkis und ein paar Stunden Stadtbummels – Helsinki kam ein wenig unspektakulär daher, so insgesamt – machten wir uns auf Richtung Norden. Beim Sommerhaus von Heikkis Bruder, Timo, und dessen Frau, Sinikka, sollten wir Heikki und Ulla treffen. Nach allem, was wir erfahren haben, gibt es in Finnland: 5,4 Mio. Einwohner, ca. 188.000 Seen, ungefähr 500.000 Sommerhäuser und gut 3 Mio. Saunen. Die Prioritäten sind also klar gesetzt. Es ließe sich hier prima leben, wenn nicht gleichzeitig alles so teuer wäre. Wir allerdings hatten Glück, denn wir hatten unglaublich nette Gastgeber! Die haben uns die Sauna angeschmissen, ein dickes Filet auf den Grill gepackt, ein frisches Lachsfilet in den Heißräucherofen gehängt und uns gezeigt, wo das Bier im Kühlschrank steht. Leute, macht’s gut, wir bleiben hier! Schauen uns allerdings erst noch ein wenig um. Von Joutsa sind wir nunmehr auf dem Weg nach Nurmes, wo Heikki und Ulla groß geworden sind und wo sie – na was wohl?! – ein Sommerhaus haben bzw. gerade bauen. Die Sauna ist aber schon fertig! Nur mit dem Internet ist es noch ein wenig schwierig. Könnte also wieder ein paar Tage dauern bis zum nächsten Bericht.
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Bis denn,
Paddy


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Gib dem Wolf keine Chance

Mit den Mächtigen dieser Welt war es ja schon immer so, dass sie sich am liebsten mächtige Gebäude bauen ließen, um später nicht in Vergessenheit zu geraten. Menschen plagten sich, um Steinquader aufeinander zu türmen, auf dass man sagen würde: Welch ein Herrscher! Meistens finden Forscher die Reste – mal besser, mal schlechter erhalten – irgendwann in einem Wald oder Dschungel und sind dann bis ans Ende ihrer Tage mit der Rekonstruktion beschäftigt. Schließlich kommen Touristen und versuchen – im besten Falle – sich vorzustellen, wie das Leben damals wohl so gewesen sein mag, welcher Prunk gestrahlt haben könnte, welche gotthuldigenden Rituale vollzogen worden sein mögen.

Soweit die epische Einleitung. Jetzt schaut euch mal an, was diese Gedanken auslöste.
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Ich dachte spontan an die Pyramiden-Ruinen in den Urwäldern Mexikos.

Mitten im Wald der wirklich wieder schönen polnischen Masuren, umgeben von Mooren und entsprechend in der Hauptsache bevölkert von Mücken findet sich, was einst als Adolf Hitlers Kriegshauptquartier für die Planung des Russlandfeldzugs gebaut wurde: die „Wolfsschanze“. Ruinen einer kleinen Bunkerstadt. Führerbunker, Göring-Bunker, Bormann-Bunker, Keitel-Bunkel, Jodl-Bunker, allgemeiner Luftschutzbunker, Gästebunker und die üblichen obligtorischen Begleiter: Kasino, Kino, Teehaus und Bahnhof.
Neben dem Russlandfeldzug wurden hier auch Deportationen geplant. Und bei genauerem Hinsehen war es auch nicht mehr wirklich weit her mit der Schönheit der Reste. Vielleicht ist es so, dass von jedem bleibt, was er produziert. Von dieser Zeit der Deutschen bleiben Trümmer meterdicken Betons, zu dick, um sie komplett verschwinden zu lassen. Im Übrigen von den Abziehenden selbst so hinterlassen. Hitler bevorzugte die Ruinenlösung. So oder so. Und überall.
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So klettert man durch die Trümmer – „bitte die Wege nicht verlassen – Lebensgefahr!“ – und ist beeindruckt von der dem normalen Menschenverstand irgendwie bekloppt erscheinenden Bereitschaft, sich für die Durchsetzung der eigenen Macht mit derart dicken Mauern zu umgeben. Leben stellt man sich oder stelle ich mir anders vor. Aber vielleicht bin ich auch nicht das Zielpublikum. Wenigstens das „Drumherum“ spricht nicht dafür. Am Eingang begrüßt einen ein Wachstand mit Kübelwagen, MGs, Munitionskisten, einem SMS-tippenden Angestellten in Wehrmachtsuniform und der Möglichkeit, sich gleich mal in Schützenstellung fotografieren zu lassen. Auf dem Gelände gibt es eine ähnliche Möglichkeit noch einmal. Nennt sich dann Schießstand und man kann sowohl die Waffen als auch die Uniform wählen, mit der man abgelichtet werden möchte. Toll! Ob die Waffen, die zum Verkauf an der Wand hingen, echt waren, habe ich lieber nicht gefragt. Und noch was fürs Klischee: Die deutschen Autos auf dem Parkplatz hatten Nummernschilder aus LDS, LOS und OHV – Zufall.
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Ach so, berühmt geworden ist die Wolfsschanze natürlich wegen eines Attentats. Eines fehlgeschlagenen. Das Stauffenberg-Attentat. Wusstet ihr aber sicher. Es gibt eine Tafel mit der Chronologie der Ereignisse (8.00 Uhr: Stauffenberg besteigt in Berlin mit seinem Adjutanten ein Flugzeug…). Und es gibt eine Gedenktafel an der Stelle, an der einst die Baracke der Ereignisse stand. Insgesamt ein sehr eigenwillig gruseliger Ort. Wie gesagt: Banalität und Macht und all die Zerstörung… Masuren allerdings ist ansonsten wirklich und ehrlich dringend eine Reise wert!!!


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Pommernland is gar nich abgebrannt

Ich habe eine Weil gezweifelt, ob es sinnvoll ist, am Mittag noch eine Führung durchs Stadion zu machen, um noch am Nachmittag etwas im Stress auf die Mopeds zu steigen. Spätestens bei der gebuchten Tour wusste ich: Richtig entschieden! 15 rüstige Damen, eine „Gymnastikgruppe“ aus dem Südwesten Deutschlands, die keine Fragen offen ließ. Allerdings, und auch das darf nicht unerwähnt bleiben, ich habe bei dieser Zielgruppe offenbar nicht die schlechtesten Karten. Diese Menge Trinkgeld war mir seit meinem Wiedereinstieg in die Stadioncrew Ende letzten Jahres noch nicht vergönnt! Naja, wenigstens was zum Nachdenken auf den anstehenden Etappen: Bin ich doch ein Schwiegermuttertyp?
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Andi, der „Kollege“, den wir seinerzeit in Perú aufgelesen haben, und der uns seither nicht mehr in Ruhe lassen will – danke dafür 😉 – war pünktlich und so verließen wir die Stadt wenig später Richtung Norden, um südlich von Stettin, an der Oder, noch auf deutscher Seite, nach nur wenigen Sackgassen unsere Zelte aufzuschlagen, den Grill anzuschmeißen und… dem Regenguss guten Abend zu sagen. Das mit Andi und dem gemeinsamen Reisen ist in letzter Zeit nicht eben vom Glück gesegnet. Er isst einfach nie genug, denke ich. Jedenfalls werden wir immer nass, wenn er dabei ist. Kann natürlich auch einfach der Sommer sein? Ääääääh…. Nö.
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Naja, wir haben dann wenigstens das Frühstück ausgedehnt, bevor wir mit ihm gemeinsam in Richtung Gdansk aufgebrochen sind (weise auf den festen Vorsatz hin, der sich hier andeutet: keine Deutschtümeleien in diesem Blog! Gdansk, nicht Danzig!). Andi hat uns auf halber Strecke verlassen, noch vor dem nächsten Regen. Aber kalt wars. War er halt daran schuld. Regen begrüßte uns dann erst wieder bei der Einfahrt nach Gdansk. Da hatten wir aber schon gute 370km mit viel Wald, Seen und wirklich schönen Landstraßen hinter uns. Polen, also dieser nördliche Teil, den wir bislang durchfahren haben, ist wirklich schön!
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Gdansk besucht. Diese Stadt war mal die reichste der Welt, im Mittelalter. Hansestadt. Ein Pfund zum Wuchern. Und so entschied man sich nach WK II für den historisch getreuen Wiederaufbau. Das zieht vor allem Deutsche an. Wir haben spontan beschlossen, unsere Bestellungen auf Englisch abzugeben. Schien uns irgendwie angenehmer. Persönlich hat mich ja der Kran am Wasser am meisten beeindruckt. Darin sind Laufräder installiert, in denen Männer liefen – wirklich genau wie Hamster – und auf diese Weise bis zu vier Tonnen Ware aus den Schiffen hoben. Krass.
So, und wer jetzt anfängt zu romantisieren nehme dies: Durch die Fußgängerzone marschierte ein Kamerateam und drehte mit einem Kandidaten des polnischen „Supertalents“ irgendwelche Einspieler. Alles wie bei uns am Ende.
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Abrundung des Abend: Besuch am Strand und Begegnung mit Swetislav und Olga auf ihrer CPI. Wir haben ihnen vom Befahren der Autobahn in Deutschland abgeraten…
Paddy


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Auf dem Sprung

Es ist entschieden: Die Reise findet statt! Am 30.6. brechen wir auf in Richtung Finnland. Mehr Mücken als dieses Jahr hier in Berlin kann es auch im Land der tausend Seen nicht geben… Der Weg ist das Ziel und er wird uns über Polen und die baltischen Republiken führen. Von Tallin werden wir mit der “Säuferfähre” nach Helsinki übersetzen und uns dann ein Weile von Heikki und Ulla durch die Gegend leiten lassen. Zurück gehts dann über Schweden und Dänemark.

Diesmal wirds nicht ganz so lange dauern, bis wir wieder zurück sind. Geplant sind gut drei Wochen. Dafür muss aber auch nicht so viel vorbereitet werden. Einfach packen, aufsatteln und losfahren. Auch mal ein angenehmes Konzept. Keine Verschiffung, keine Zollformalitäten, nur Geschwindigkeitsbegrenzungen. Pillepalle.

Geändert hat sich außerdem ein Viertel der Zusammensetzung. Nachdem meine Suse in Kanada geblieben ist, bin ich den Transalp ja untreu geworden und habe auf ein neues Modell umgesattelt. BMW F800 GS schimpft es jetzt. Einen persönlichen Namen hat die Neue an meiner Seite allerdings noch keinen. Ernstgemeinte Vorschläge nehmen wir gerne entgegen.

So, dann mal los, würde ich sagen!

Grüße Patrick


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Aus, aus, aus…

Fantastische Tage liegen hinter uns. Nach den Bergen Rainer und Heilige Helenen waren wir noch am Berg Becker. Haben dort ein letztes Mal gecampt. Dann haben wir uns in Chilliwack von Mark und Julie verwöhnen lassen: richtiges Haus, richtiges Essen, richtiges Bett und vor allem absolut richtiges Heimkino – großartig.

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Dann in die Arbeit gestürzt: Suse für ihren Neuen in Schale geworfen und Supertranse samt etlichem Gepäck in eine Kiste gesperrt. So richtig hat ihr das offenbar nicht gefallen. Auf der Fahrt zum Verschiffungsunternehmen ist sie auf einer Kreuzung einfach von der Ladefläche des Pickups gesprungen. Ja, man hätte sie fixieren können. Aber irgendwie wollten wir doch noch einmal testen, ob wirklich immer jemand da ist, der einem hilft, wenn man Hilfe braucht. Hat zu unserer größten Zufriedenheit funktioniert. Es gab am Ende weder Verletzte, noch Sachschäden oder Strafen aber ein Menge schneller Helfer. Test erfolgreich, würde ich sagen

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Zur Eingewöhnung haben wir uns dann auf den Weg in die große Stadt Vancouver gemacht. Mit dem Greyhoundbus! Muss man hier ja auch mal gefahren sein. Als wir aus der Station kamen und einen Securitymenschen nach dem Weg zu unserem Hostel fragten, sagte er: „Das ist gleich da drüben. Geht aber nicht viel weiter. Die Gegend, die dann kommt, ist keine gute.“ Wir waren beeindruckt und sind dann gestern gleich mal nachts dort entlang nach Hause gelaufen. Abgesehen, dass ich Berlin lange nicht mehr so offenen Drogenkonsum gesehen habe, fühlte ich mich eigentlich relativ entspannt. Vielleicht sind wir reif für die Hauptstadt! Andererseits hat dieses Vancouver schon was mit seiner Freundlichkeit, seinen vielen Parks und dem ganzen Wasser drumrum…

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Es ist also soweit: Dies ist die letzte Nacht unserer kleinen Reise durch die Amerikas. Es ist auch der letzte Artikel unserer kleinen Reise durch die Amerikas. Ich weiß, der Winter kommt und ihr wisst jetzt schon nicht, wie ihr die Zeit totschlagen sollt. Das Buch zur Tour wird aber bis dahin auch nicht fertig sein. Vielleicht fang ihr einfach an, eine eigene Reise zu planen?! Wir stehen da gerne als Gesprächspartner zur Verfügung. Also hört auf zu heulen. 😉

Hier noch ein paar Zahlen:
15 Monate
80.327 Kilometer
17 Staaten
2 Sprachen
11 Ölwechsel
7 Hinterreifen, 4 Vorderreifen
3 bzw. 4 Ketten
zahllose Menschen
zahllose Städte und Stätten
zahllose Erfahrungen
reichlich Geschichten

Alles, was an dieser Stelle zu sagen bleibt, überlasse ich einem, der mir den gesamten Weg über in den Ohren gelegen hat.

In diesem Sinne: Auf bald, Amigos!

Patrick


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Von Vulkanen, Zeltplatzglück und Schreckensminuten

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Nachdem wir in Kanada ein paar alkoholreiche Tage im Okanagan-Tal verbracht hatten und jede Menge Wein probieren und genießen konnten, genossen wir unsere letzten Fahrtage in den USA. Es gab noch einiges zu erkunden und wir wollten noch einen uns liebgewonnen Freund wiedertreffen. Aber wie jedes Mal, wenn wir in die USA einreisten, erfolgte ein längeres Interview an der Grenze. Diesmal zwei Damen in Uniform. (Anmerkung: wenn ihr die Wahl zwischen Mann und Frau am Grenzposten habt, wählt den Mann!!!) „Wollen Sie Motorradteile in den USA lassen?“ Nein! (Warum sollte ich das? Ich will ja fahren und nicht schrauben.) „Führen Sie Obst und Gemüse in die USA ein?“ Ja, Pfirsiche, Pflaumen und Tomaten. „Tomaten! Die müssen Sie abgeben!“ O.k. „Haben Sie Waffen oder waffenähnliche Gegenstände dabei?“ Eine Machete und ein Taschenmesser! „Das ist o.k.! Wie finanzieren Sie sich Ihre Reise?“ Wir haben Geld gespart und müssen uns nach unserer Rückkehr einen neuen Job suchen. (Oh Mist, falsche Antwort. Alarm! Alarm! Jetzt ganz behutsam die nächsten Antworten wählen.) „Planen Sie in den USA zu bleiben und zu arbeiten?“ Nein. Auf keinen Fall, meine Mutter zählt schon die Tage bis zu unserer Rückkehr, ich muss nach Hause! (Und ich will hier auch nicht leben, wohnen oder einwandern. Es besteht aktuell eine 50%-Wahrscheinlichkeit, dass die Republikaner die Wahl im November gewinnen und ich muss befürchten, dass ich als Frau dann wieder am Herd stehen muss und mir das Motorradfahren verboten wird.) „Gute Fahrt!“ Na das war ja ein Kinderspiel! Ha, und die Frage, ob wir Alkohol mit uns führen, haben sie auch vergessen. Diesmal haben wir sogar eine kleine Flasche Eiswein dabei. Nun gut, dann schmuggeln wir die einfach rüber.

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Trotz dieser mutwilligen Verzögerung haben wir es noch rechtzeitig zum Treffpunkt mit Freddo Frog geschafft. Was wir bis dahin nicht wussten: Es war „Labour Day“-Wochenende, also Kurzurlaub für alle und gleichzeitig das letzte Ferienwochenende. Und das Wetter war super. Hier um Seattle in Washington ist das meistens nicht der Fall. Regen gibt es viel, deshalb ist es auch recht grün – der „Evergreen“ State. Alle wollten zelten, waren schon angereist oder hatten mindestens einen Zeltplatz reserviert. Nur wir nicht! Ich weiß nicht wie, aber irgendwie haben wir es hinbekommen, dass wir jedes Mal den letztverfügbaren Zeltplatz bekommen haben. Einmal war der Zeltplatz vorreserviert, aber erst für den nächsten Tag und somit eine Nacht frei. Und ein anderes Mal war der bereits reservierte Platz zu klein für das riesige Zelt der Familie, so dass sie auf einen „Ausweichplatz“ ziehen musste und wir einen schönen Platz für uns hatten. Überraschenderweise waren die Zeltplätze sehr ruhig, trotz der Menge an Leuten. Es wurde aber auch schnell empfindlich kalt, so dass wir uns am Lagerfeuer unsere Geschichten erzählten. Und mit Freddo Frog erlebt man immer was. Ich erinnere mich noch an den Zeltplatz in Alberta, Kanada, wo wir fast rausgeschmissen wurden und uns eine hohe Geldstrafe angedroht wurde, weil irgend so ein Frosch unbedingt Unterholz verbrennen musste…

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Und diesmal war ich der „Frosch“! Weil das Wetter so schön und die Fotomotive so reich waren, musste die Kamera unbedingt aufgeladen werden. Leider gibt es auf den Zeltplätzen im Nationalpark nur auf den Toiletten Strom. Kein Problem, dann häng ich die Fotokamera halt dort ran und gebe Acht, dass sie nicht entwendet wird. Also alles vorbereitet und schon lädt die Kamera.
Mist, warum sind da so viele Teenager. Mach ich mal einen Kontrollgang Nr. 1: Alles klar, Kamera da! Schön Wasser für die Suppe aufgesetzt. Und was macht schon wieder das Pärchen da solange? Sie rein, dann raus, er rein, dann raus, sie rein… Kontrollgang Nr. 2: Weiterhin alles Roger, Kamera da! Nur noch schnell die Zwiebel geschnitten, dann hat die Kamera eine Stunde Zeit gehabt zum Saft aufladen, das muss reichen. Zwiebel fertig, ich zum Toilettenhaus, Kamera: weg! Oh nein, das kann nicht wahr sein, Ohrfeige mich selbst mehr als zweimal, Mist was jetzt, das gibt es doch gar nicht und und und. Frag ich mal die Nachbarn vom Toilettenhaus. Nee wir haben niemanden mit einer Kamera gesehen, aber ich helf dir, sie zu finden. Ich denke nur: „finden“, alles klar, die ist weg und wird auch weg bleiben. Fange gleich schon wieder an, mich zu Ohrfeigen. Aber Frau Nachbarin sagt, sie betet für mich und das wird schon. Also klappern wir ein paar Zeltplätze ab, ohne Erfolg! Frau Nachbarin meint, sie gehe jetzt mal zum Platzwart, vielleicht hat der die Kamera genommen. Ich ziehe mit gesenktem Kopf und hängenden Schultern weiter. Nein ich frage nicht die Frau, die da friedlich liest und eine Weinflasche vor sich zu stehen hat. Und den Mittfünfzigermann, der weiß bestimmt auch nichts. Ach egal, ich frag ihn einfach. „Ja, meine Frau hat eine Kamera gefunden und sie mitgenommen. Ist es die hier?“ Jaaaaaaaaaaaaaaaaaa, die ist es. Und Danke, ich bin so froh, Danke, Danke… Ich diskutiere nicht, warum eigentlich „mitgenommen“. Hallo, die lag da nicht so zum Mitnehmen rum, sondern zum Aufladen! Und warum seid ihr Mitte 50, das passt nicht in meine Vorurteile-Schublade!!! Egal, die Schreckensminuten hatten ein Ende, der Abend war gerettet und Mt. Rainier und Mt. St. Helens konnten fotografiert werden.

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Wir befinden uns gerade in dem Bergzug „Cascade Range“. Der zieht durch Washington und Oregon und zu ihm gehören jede Menge Vulkane. Am häufigsten ist bis jetzt Mt. St. Helens ausgebrochen. 1980 hat er seine schöne schneebedeckte Spitze verloren und zeigt seitdem einen riesigen Krater zur Nordseite hin mit einem Lavadom in der Mitte. 2004 war ein letzter kleinerer Ausbruch, der die Leute nicht flüchten ließ, sondern sie magisch anzog, Sensationstourismus eben! Die Wissenschaftler haben den Vulkan ausgiebig studiert und konnten neue Standards für mögliche Vulkaneruptionen weltweit definieren. Und was folgte: sie fürchten nun einen Ausbruch von Mt. Rainier! Der hat 25 Gletscher und in seinem „Einzugsgebiet“ leben vier Millionen Menschen. Ich glaube es wird Zeit, diesen Kontinent zu verlassen! Aber vorher geht es noch schnell zum Vulkan Mt. Baker 😉

Freddo Frog hat uns freundlicherweise ein kleines Video zur Verfügung gestellt, in dem ihr 1. uns fahren seht (leider hat Freddo Frog nur einen Einzylinder und kommt deshalb häufig nicht mit uns mit 😉 und 2. die mittlerweile in Regeneration befindliche, jedoch immer noch sichtbar zerstörte Landschaft nach dem Ausbruch von Mt. St. Helens sehen könnt. Freddo Frog ist jetzt wieder alleine unterwegs. Wir verpacken morgen Supertranse. Und Patricks Maschine wird auch abgeholt und erfreut sich dann eines neuen Besitzers. Das wars mit Motorradfahren in „the Americas“. Schön wars. Aber alles hat ein Ende….
Jana


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Mal wieder unter Leute…

Vorsicht: Satire!

Motorradtreffen: Horden betrunkener Biker an Lagerfeuern mit Bettruhe gegen 5 Uhr in der Früh, Kopfschmerzen nach dem Aufstehen um ca. 11 Uhr, Einschlafen bei den Begleitveranstaltungen, Männeranteil gegen 90%, der Rest barbusig oder zumindest mit nassem T-Shirt und natürlich ohne BH darunter. Geht ja gar nicht anders. Wir reisten schon am Mittwoch an. Ergab sich so.

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Spätestens am Donnerstagvormittag wussten wir, dass da gerade was anders läuft als geplant. 7.04 Uhr: „Mit Harleys kann man ja nicht mal ordentlich Schotterpisten fahren!“ Hallo? Schlafen? Hallo? Lästern über Endurobikes und nicht über Harleys? Direkt neben unserem Zelt. Is dit n Motorradtreffen, oder wat is dit hier? An Schlaf war nicht mehr zu denken. Also raus aus dem Zelt und die Lage gecheckt. Zahl der Zelte hatte leicht zugenommen. Wetter weiter gut. Zahl der Harleys in Sichtweite… Eine??? Moment… Gegenprobe… Zahl der BMW R1200GS in Sichtweite: 14?!?!?!?! Äääääääääääh. Erklärt wenigstens den Gesprächswecker. Wohl eher so ne Schnullibulli-Veranstaltung mit jeder Menge Motorradfahrern, die meinen, sie wären die großen Offroader.
„Hey, komm rüber und trink n Kaffee mit uns!“ Na, wenigstens DER Reflex funktioniert adäquat. „Nee, danke, Teetrinker!” Also Tee kochen und Pumpernickel mit Nutella hinter die Kiemen werfen. Man gönnt sich ja sonst nichts an einem Tag, der so anfängt.
Plötzlich quietschende Autoreifen. Abgefahrene Karre! Aber wieso setzt der rückwärts direkt auf mich zu? Und jetzt springt der Typ aus dem Auto in meine Richtung! Mist, kein Baseballschläger in Reichweite. „Patrick!!! Gut dich wiederzusehen! Habt ihr’s tatsächlich von Argentinien hier rauf geschafft, was?! Klasse!“ Ich erinnere mich dunkel: Mark, Kanada. War mit seinem Sohn in Viedma auf dem Motorradtreffen. Da wurde noch getrunken. Wirklich gut, ihn wiederzusehen. Hätte aber auch mit dem Moped kommen dürfen.
Dann kommt ein Pärchen um die Ecke. Halten schon wieder direkt auf mich zu. Können nur Ruth und Roy sein. Sind mit mir und Schnegge von Coldfoot nach Deadhorse, zurück nach Fairbanks und bis in den Denalipark gefahren. Wird noch n Familientreffen, wenn das so weitergeht.
„Hallo, du musst der sein, den meine Schwester im Glacier National Park getroffen hat.“ „Ey, keine Panik, ich hab mein Finger von ihr gelassen, ehrlich!“ Ach nee, jetzt dämmert‘s, die war damals ganz aufgeregt, als wir ihr erzählten, dass wir auf dieses Treffen fahren würden. „Mein Bruder wird da einen Vortrag über den Yukon halten!“ Der also auch hier.
Von links schon wieder ein Pärchen: „Ihr seid aus Deutschland? Und seid aus Südamerika raufgefahren? Super, wir wollen das umgekehrt machen. Da zapfen ihr euch doch mal an!“ TIMEOUT!!! Gerade mal 9 Uhr! Bisschen viel Input für die Tageszeit!
Dann mal rüberschlurfen in die Halle. Anmelden und rumgucken. Natürlich auch schon alle wach und am Rumwirbeln. Kaum zur Tür rein, schon hat man einen Zetteln in der Hand: „Ich versichere, dass ich während der Veranstaltung nicht betrunken, nicht ohne Sicherheitsbekleidung und nicht ohne Helm Motorrad fahre.“ Was is das hier? Kinderturnen mit Beutelvergessen oder wie? Und da hängt sogar schon ein detailliert ausgearbeiteter Ablaufplan:
10 Uhr: Motorradreisen mit leichtem Gepäck
11 Uhr: Von Nord- nach Südamerica in einer Ural mit Seitenwagen
12 Uhr: Lunch
13 Uhr: Reifenflicken am Straßenrand

22 Uhr: Travelling the Yukon

[singlepic id=3680 w=320 h=240 float=left] Zwischendurch noch ein Wettrennen mit dem Titel „Wer fährt am langsamsten?“ und der Workshop „Motorrad schieben nervt“. Aha… Und was ist mit „Wet T-Shirt Contest“, Onkelz-Coverband und „Wer hat den Lautesten“? Okay, lassen wir uns mal drauf ein. Wer weiß, wozu es gut ist?! Außerdem sind wir Rocker ja von Natur aus Horizonterweiterer.
Egal. „Hey Roy.“ „Hey Patrick. Willst n Bier?“ Wie jetzt? Bier oder was? So richtig? Klingt gut! Da kann man sich auch besser auf die Geschichten auf der Leinwand einlassen! Sind die doch alle niemals wirklich hingefahren. Wahrscheinlich so wie die Harleyfahrer: Karre auf den Anhänger, hinfahren, abladen, Foto machen, Karre wieder auf den Anhänger und ab nach Hause!“ Aber über Russland und Mongolei in die „-stans“ (sagen die hier so für Kirgisistan und die anderen Staaten mit ähnlichen Namen in der Ecke) und zurück nach D wär auch mal ne coole Tour. Mal sehen vielleicht so in vier Wochen. Bisschen Zeit zum Wäsche waschen in Berlin sollte schon bleiben.
Oh, das war schon der letzte Vortrag des Tages?! Könnte man auf dem Zeltplatz doch gut noch paar Pils zischen. Minuten später dort angekommen alles schon dunkel. Schnarchen überall. Sollte man wohl besser auch ins Bett gehen. Stehen sicher wieder um 7 Uhr mit nem Kaffee neben dem Zelt. Komisches Volk!

[singlepic id=3679 w=320 h=240 float=left] Na, wenigstens konnte ich den Idioten hier meine Karre andrehen. 500 USD hab ich dem Mann aus British Columbia für meine Transalp aus den Rippen geleiert. Der glaubt wahrscheinlich immer noch, dass eine Transalp geländetauglich ist… Naja, macht jedenfalls drei glückliche Menschen: 1. Einen kanadischen Transalpbesitzer, 2. Den Empfänger der gespendeten 500 USD und 3. Mich, der sich die Verschiffung spart und außerdem gleich noch ein gutes Gewissen hat. War insgesamt also doch kein sooo schlechtes Wochenende. Kauf mir jetzt ne 1200 GS und geh auf Weltreise. Sind eigentlich dufte Typen, diese Motorradtraveller. Mal abgesehen von diesen Frühaufstehern.

In diesem Sinne: Rock’n’Roll und ride on!!
Patrick


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